07.05.2022 18:12 |

Mysteriöse Tode

Furcht vor Kreml: Oligarch zittert um sein Leben

Seit Jahresbeginn sollen sich sechs im Ausland lebende russische Oligarchen das Leben genommen, teils ihre Familien mit in den Tod gerissen haben. Ex-Bankchef Oleg Tinkow hat Angst um sein Leben - nicht nur er bezweifelt die Suizid-Theorie.

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„Ich verurteile nicht jene mit Villa in Miami oder an der französischen Riviera. Doch das Problem ist, dass sie gedanklich dort sind und nicht in Russland.“ Nur wenige Wochen nach Wladimir Putins unmissverständlicher Kritik an jenen Oligarchen, die sich nach Kriegsbeginn mit Privatjets ins Ausland abgesetzt hatten, sind sechs seiner ehemals engen Vertrauten tot.

Verblüffende Parallelen gibt es bei der Todesart: Alles Suizide! Zudem soll der im Jänner verstorbene Top-Gazprom-Manager Leonid Shulman ebenso wie etwa Vasily Melnikov (Besitzer des Arzneimittelunternehmens Medstom) zunächst seine Familie, danach sich selbst hingerichtet haben.

Dass es an diesen Tatvollzügen Zweifel gibt, mag vielleicht nur am Auge des kritischen und misstrauischen Betrachters liegen. Die Tatsache, dass sowohl Sergej Protosenya (Manager bei Novatek), Vladislav Avayev (Vizepräsident er Gazprom-Bank), Mikhail Watford (Besitzer russischer Energieunternehmen) und Alexander Tjuljakow (Stellvertretender Generaldirektor bei Gazprom) als wichtige Geschäftsmänner ehemals sehr enge Kontakte zum Kreml und zu Präsident Wladimir Putin pflegten, ist Fakt.

Spanische Behörden bezweifeln Suizid-Variante
Vor allem bei Sergej Protosenya zweifeln die spanischen Behörden an der Theorie des Suizids. Trotz der bestialischen Ermordung seiner Frau und Tochter wurden bei Protosenya keine Blutspuren gefunden. „Bei dieser Art der Ermordung sollten auf jeden Fall Blutspritzer zu finden sein. Ganz egal, welche Seite der Axt verwendet wird“, verrät ein österreichischer Polizeibeamter. Der auch betont: „Aus kriminalpolizeilicher Sicht ist es nicht die übliche Vorgangsweise, dass man vor einem Suizid noch Spuren eines Mordes beseitigt.“ Steirische Beamte machten hingegen andere Beobachtungen: „Bei Tötungen im Familienbereich kommt es immer wieder vor, dass die Umgebung liebevoll gestaltet wird.“ Ob Protosenyas Tod das Ende der mysteriösen Serie ist? Daran hat vor allem Oleg Tinkow, der seine Firmenanteile der Tinkow-Bank an Putins Freund Wladimir Potanin für einen Spottpreis verkaufen musste, Zweifel.

Todesangst nach Druck aus dem Kreml
Trotz geheimem Aufenthaltsort und engagierter Bodyguards zittert der Oligarch um sein Leben: „Möglicherweise will mich der Kreml jetzt umbringen“, berichtete er der „Financial Times“. Eine Sorge, die angesichts der tragischen „Todesserie“ nicht unbegründet scheint. Tinkows Schicksal soll ein Fingerzeig für andere Unternehmen sein. Der französische Autokonzern Renault trat als Erster seine 68-prozentigen Anteile an Avtovaz (Marke Lada) für einen symbolischen Betrag an ein staatliches Forschungsinstitut ab. Offiziell „in gegenseitigem Einvernehmen“.

Harald Dworak
Harald Dworak
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