Personalnot in Wien

In Pflegeheimen müssen Betten jetzt leer bleiben

Familie
04.05.2022 06:00

Der Personalmangel nimmt trotz anhaltender Kritik von Pflegekräften und Gewerkschaften weiter zu. So können in Wien derzeit rund 80 Betten in Pflegewohnheimen nicht besetzt werden, weil die Mitarbeiter fehlen.

Die Situation in manchen Heimen ist mittlerweile prekär. So können derzeit in Wien rund 80 Betten aufgrund von Personalmangel nicht vergeben werden. „Personen, die dringend einen Pflegeplatz benötigen und keine Präferenzen für eine bestimmte Region oder Bezirk haben, warten bis zu 14 Tage“, schildert eine Sprecherin des Fonds Soziales Wien (FSW). Das bedeutet für Angehörige: Entweder einen längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen oder länger auf einen Platz warten.

Engpässe beim Personal
„Viele Häuser hätten gerne mehr Personal, doch es ist so gut wie keines zu bekommen“, weiß auch Betriebsrat Wolfgang Polzinger. Vor allem in der Pflegefachassistenz und bei den diplomierten Kräften gebe es einen Engpass.

Zentralbetriebsrat Polzinger von Caritas Socialis: „Die Regierung muss sich überlegen, was sie für die Zukunft will. Eine gute Pflege? Dann braucht es endlich eine Ausbildungsoffensive. (Bild: Privat)
Zentralbetriebsrat Polzinger von Caritas Socialis: „Die Regierung muss sich überlegen, was sie für die Zukunft will. Eine gute Pflege? Dann braucht es endlich eine Ausbildungsoffensive.

Mehrere Monate Wartezeit auf Wunschplatz
Ist man, was die Örtlichkeiten angeht, nicht so flexibel, dauert es laut FSW mitunter Monate, um an ein Pflegebett zu kommen. Im Moment stehen in Wien rund 18.000 geförderte Pflegeplätze zur Verfügung. Der Großteil davon in städtischer Hand. Die übrigen 6000 Betten werden von gemeinnützigen Organisationen vergeben. Bei der Caritas ist die Auslastung fast 100 Prozent.

Nicht alle halten dem Druck stand
„Gerade Corona-bedingt waren viele Mitarbeiter krank. Das ist dann schon sehr herausfordernd“, weiß Sonja Schmid, Fach- und Sozialbetreuerin im Haus St. Teresa im 22. Bezirk. Sie arbeite in einem guten Team, das zusammenhelfe. „Ich kenne aber Pfleger, die dem Druck nicht mehr standhalten konnten und den Job wechselten“, sagt sie. Es brauche auch ein Umdenken in der Gesellschaft. Schmid: „Wenige wissen, was in der Pflege tagtäglich geleistet wird“, betont sie.

Mehr Personal, Geld und Freizeit
Laut Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner würden zwar so viele Personen wie noch nie in der Pflege arbeiten, aber auch der Bedarf steige ständig. Die Regierung müsse endlich handeln. „Seit Jahren erzählen sie uns von Konzepten für den Langzeitpflegebereich“, kritisiert Michaela Guglberger von der Gewerkschaft vida. Passieren würde aber nichts. Es brauche dringend mehr Personal, Freizeit und Geld.

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