Motorsport-Legende

Vor 100 Jahren geboren: Juan Manuel Fangio

Sport
22.06.2011 14:02
Juan Manuel Fangio war mehr als vier Jahrzehnte der Rekordweltmeister der Formel 1 - bis der deutsche "Nimmersatt" Michael Schumacher kam. Noch immer hält Fangio aber die Marke für den ältesten Titelgewinner, und bis heute wird der Argentinier nicht nur in seiner Heimat als Held verehrt. Am Freitag wäre die Motorsport-Legende, die 1995 an einem Nierenleiden verstarb, 100 Jahre alt geworden.

Es war der 21. Juli 2002, an dem Schumacher in Magny-Cours vorzeitig seinen fünften WM-Titel fixierte und damit zu Fangio aufschloss. Doch für "Schumi", der den Rekord bis 2004 sogar auf sieben WM-Triumphe verbesserte, stand bereits vor neun Jahren fest: "Was Fangio damals geleistet hat, kann ich nie erreichen."

Erst mit 40 Jahren zum ersten WM-Titel
Als "Renn-Opa" im Alter von 40 Jahren brauste "El Chueco", "der Krummbeinige", 1951 im Alfa Romeo zu seinem ersten WM-Titel. Autorennen waren damals etwas für Verrückte, vor allem in Südamerika ging es im irren Tempo zumeist auf Naturstraßen über Stock und Stein. Doch für Fangio waren die lebensgefährlichen Abenteuer in den fliegenden Kisten eine Herzenssache. "Ich habe mich in meine Rennwagen regelrecht verliebt, ihnen sogar Frauennamen gegeben", verriet der gelernte Kfz-Mechaniker.

Sein erstes Rennen fuhr er 1936 in einem geliehenen Ford T, der eigentlich als Taxi diente. Vier Jahre später gelang ihm im "Gran Premio Internacional del Norte", einer 9.500 Kilometer langen Tortur von Buenos Aires nach Lima, der Hauptstadt von Peru, und zurück, sein erster großer Erfolg.

"Ich lernte Autofahren auf der Flucht"
Dabei wollte der als viertes von sechs Kindern italienischer Einwanderer in Balcarce geborene Fangio eigentlich Fußballer werden. Der Zufall formte ihn jedoch zum Ausnahmepiloten. "Wenn meine Freunde und ich etwas angestellt hatten, drängten sie mich danach ans Steuer, um so schnell wie möglich das Weite suchen zu können", erklärte er einst. "Ich lernte Autofahren auf der Flucht." Und wie.

Nach einer Zwangspause wegen eines Unfalls in der Formel-1-Saison 1952 musste sich Fangio ein Jahr später nur seinem "großen Freund und Konkurrenten" Alberto Ascari aus Italien beugen. Dann aber konnte das sensible Motorsport-Genie niemand mehr aufhalten. Im berühmten Mercedes-Silberpfeil W 196 holte er die Titel Nummer zwei und drei. 1956 wurde Fangio Weltmeister mit Ferrari.

Unglaubliche Aufholjagd am Nürburgring 1957
Sein fünfter und letzter Triumph schließlich ist auf ewig mit der unglaublichen Aufholjagd im Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring 1957 (siehe auch Bild oben) verbunden. Nach einem verhauten Boxenstopp schien sein Rückstand auf die Ferrari-Piloten Peter Collins und Mike Hawthorn nicht mehr aufholbar. Doch Fangio raste im Maserati wie entfesselt zu immer neuen Runden-Bestzeiten und siegte doch noch. Bis heute ist er mit 46 Jahren und 42 Tagen der älteste Formel-1-Champion.

Im Jahr darauf trat Fangio nach zwei Rennen ab. "Ich brauchte mir und der Welt nichts mehr zu beweisen. Ich war zufrieden und spürte zugleich, dass es Zeit für mich sei", sagte der Grand-Prix-Grandseigneur. Seine Bilanz in der Königsklasse des Motorsports ist atemberaubend: 24 Siege und 28 Pole Positions in 51 Formel-1-Rennen.

In Argentinien als Held verehrt
Ein Museum in seiner Heimatstadt Balcarce erinnert inzwischen an den Rennfahrer und Menschen Juan Manuel Fangio, der nach seiner aktiven Karriere als Mercedes-Repräsentant in Argentinien seiner Liebe zum Automobil treu blieb. Für Millionen Fans ist die am 17. Juli 1995 an einem Nierenleiden verstorbene Formel-1-Ikone noch immer ein Held. Eine Zuneigung, die der bescheidene Fangio stets genoss. "Ich empfinde die Verehrung meiner Landsleute und anderer nicht als Last, sondern als Lob für gute Leistungen", beteuerte der fünffache F1-Champion.

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