Nach Haftprüfung

Vergewaltigung in Linz: Verdächtige wieder frei

Oberösterreich
14.04.2022 12:48

Damit hatte niemand gerechnet: Die vier Verdächtigen im Fall der Gruppenvergewaltigung einer 16-jährigen Schülerin in Linz sind auf freiem Fuß. Das ist das überraschende Ergebnis der heutigen Haftprüfung am Landesgericht Linz.

Die Fortsetzung der U-Haft schien fix. Doch nach der Haftprüfungsverhandlung durften die vier Verdächtigen - drei 15-jährige Afghanen und ein 14-Jähriger aus dem Iran - nach Hause gehen. Zu den Gründen, die zu dieser überraschenden Entscheidung geführt haben, wurde vom Gericht nichts bekannt gegeben.

Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung zu der Enthaftung ab, kann dagegen auch berufen. „Die Ermittlungen gegen die vier jungen Männer laufen aber selbstverständlich weiter“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ulrike Breiteneder.

Opfer wohl nicht zum Tatort verschleppt
Die Polizei hat inzwischen die Aufnahmen mehrerer Überwachungskameras am Hauptbahnhof ausgewertet, die aber laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft nur Teile des Geschehens und dies ohne Ton zeigen. Demnach kam das spätere Opfer am späteren Nachmittag des 30. März mit der Straßenbahn am Hauptbahnhof an. Die 16-Jährige schaute kurz auf ihr Handy und ging dann auf eine Gruppe Burschen zu, in der sich auch einer der mutmaßlichen Täter befand.

Dann ging man getrennt aus dem Bild. Anzeichen von Gewalt sind auf den Aufnahmen keine zu sehen. Das spätere Opfer dürfte somit nicht mit Gewalt vom Bahnhof zum Tatort in dem ehemaligen Postverteilzentrum verschleppt worden sein. Es gibt auch keine Zeugen, die eine solche Szene beobachtet hätten. Weil das Areal des Hauptbahnhofs ein belebter Ort ist, scheint es unwahrscheinlich, dass dies niemand bemerkt hätte.

Kontakt mit Verdächtigem
Die Ermittlungen ergaben auch, dass die Schülerin Tage vor der Tat mit einem der späteren Verdächtigen über ein soziales Netzwerk in Kontakt stand. Diese App löscht jedoch die Kommunikation sofort, somit könne über den Inhalt nichts mehr gesagt werden, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Die Befragung des Opfers, die in Form einer kontradiktorischen Einvernahme vorgesehen ist, soll nach Ostern stattfinden.

Die vier Verdächtigen sind nicht geständig. Zwei beteuern, die sexuellen Handlungen seien einvernehmlich erfolgt. Der dritte will nur zugesehen haben, der vierte schweigt.

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