Mi, 22. August 2018

Immer neue Verstecke

28.05.2011 09:27

MI6-Agenten: "Gadafi zunehmend paranoid"

Der libysche Machthaber Muammar al-Gadafi soll, so der britische Geheimdienst MI6, von den wochenlangen Bombardements zunehmend zermürbt sein. Gadafi verstecke sich derzeit jede Nacht in einem anderen Krankenhaus vor den Angriffen der Alliierten, berichteten britische Medien am Freitag unter Berufung auf Quellen des Geheimdienstes. "Er flieht von einem Ort, den wir nicht bombardieren, zum nächsten", sagte ein britischer Diplomat laut "Guardian" und "Daily Telegraph" am Rande des G-8-Gipfels im französischen Deauville.

Außerdem würden führenden Kommandanten des libyschen Regimes ihre Handys nicht mehr benutzen, sagte der Diplomat. Das geschehe offenbar aus Sorge, abgehört zu werden. "Es ergibt sich derzeit das Bild eines sehr paranoiden Mannes und eines Regimes, das sich zunehmend unter Druck fühlt und beginnt zu zerfallen." Es sei daher der richtige Zeitpunkt, den Druck erneut zu erhöhen. "Je mehr er denkt, dass sich die Dinge gegen ihn entwickeln, desto besser."

Großbritannien hatte am Donnerstagabend entschieden, Hubschrauber bei der Bekämpfung der Truppen Gadafis einzusetzen. Auch Frankreich plant die Entsendung von Kampfhubschraubern. Damit soll die Treffgenauigkeit der Angriffe gegen die Gadafi-Truppen erhöht werden. Gadafi hatte sich vor rund zwei Wochen zuletzt öffentlich gezeigt.

G-8 fordert Rücktritt Gadafis
US-Präsident Barack Obama und sein französischer Kollege Nicolas Sarkozy beharren unterdessen auf einem Rückzug des libyschen Diktators von der Macht. "Gadafi muss gehen", meinte Gastgeber Sarkozy am Freitag am Rande des G-8-Gipfels. "Die Libyer haben ein Recht auf Demokratie." Solange Gadafi die Macht habe und auf Zivilisten schießen lasse, könne die NATO-Militäraktion in Libyen nicht beendet werden, pflichtete ihm Obama bei. Selbst Moskau schwenkte auf diese Linie ein: Falls ein Rücktritt Gadafis zur Beilegung des Konflikts beitrage, werde Russland dabei helfen, erklärte Vize-Außenminister Sergej Rjabkow nach Angaben der Agentur Interfax beim Gipfel. Der russische Präsident Dmitri Medwedew sagte, er sei bereit zu vermitteln.

Medwedew selbst betonte am Rande des Gipfeltreffens, dass im Falle von Gadafis Ausreise Russland nicht als Exil zur Verfügung stehe. Mit einem Rücktritt würde Gadafi Libyen einen Gefallen tun, sagte der russische Staatschef. Medwedew sprach sich gegen eine mögliche Spaltung des nordafrikanischen Landes aus. "Ein russischer Sondergesandter wird in Kürze in Libyen mit der Opposition und - falls es geht - auch mit der Führung in Tripolis sprechen."

Regierung: "Fühlen uns nicht betroffen"
Die libysche Regierung selbst sieht sich durch die Forderung der G-8-Staaten nach dem Rücktritt von Machthaber Gadafi "nicht betroffen". Der stellvertretende libysche Außenminister Chaled Kaaim wies am Freitag zudem das Vermittlungsangebot Russlands zurück. Tripolis werde keine Vermittlung akzeptieren, die den Friedensplan der Afrikanischen Union schwäche, sagte Kaaim. Jede Lösung des Konflikts müsse über die AU laufen.

NATO reagiert auf diplomatische Versuche kühl
Erst Stunden zuvor hatte der libysche Ministerpräsident Al-Baghdadi Al-Mahmudi in einem Telefongespräch mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow um Hilfe bei der Vermittlung eines Waffenstillstandes gebeten, verlautete der Kreml am späten Donnerstagabend. Für einen reinen Waffenstillstand und Truppenentflechtungen dürfte es aber in Gadafis Libyen längst zu spät sein.

Auf die diplomatischen Bemühungen Al-Mahmudis reagierte die NATO-Sprecherin Oana Lungescu am Freitag kühl. "Das Regime hat früher ähnliche Erklärungen veröffentlicht und dann mit dem Beschuss von Zivilisten weitergemacht", sagte sie vor Journalisten in Brüssel. Die NATO habe darüber hinaus Erkenntnisse, dass die Gadafi-Truppen in der Nähe der Aufständischen-Enklave Misrata international geächtete Landminen ausgelegt hätten.

Tripolis erneut von Explosionen erschüttert
Die libysche Hauptstadt Tripolis ist in der Nacht auf Samstag von mindestens zwei Explosionen erschüttert worden. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, waren die Detonationen in der Nähe des Zentrums im Viertel Bab al-Aziziya zu hören, wo sich die Residenz Gadafis befindet. Zuvor wurden nach einer Meldung der libyschen Nachrichtenagentur Jana "zivile Ziele" in der Region Al-Kariet südlich von Tripolis angegriffen. Das Viertel Bab al-Aziziya, wo sich die Residenz Gadafis befindet, war bereits in den Nächten zuvor Ziel von NATO-Angriffen.

Gadafis Ex-Finanzchef schlägt sich auf Seite der Rebellen
Unterdessen hat sich Libyens Ex-Notenbankchef Farhat Omar Bin Guidara auf die Seite der Rebellen geschlagen. "Ich habe Libyen am 21. Februar verlassen. Anfang März habe ich mich von dem Regime losgesagt. Wegen der Art meiner Tätigkeit habe ich keine Pressemitteilung herausgegeben", sagte Bin Guidara dem Nachrichtensender Al Arabiya am Freitag. "Ich habe meinen Rücktritt bekannt gegeben und nun unterstütze ich den Interimsrat der Rebellen", fügte Guidara hinzu. Im März war der damalige Außenminister Mussa Kussa nach Großbritannien geflohen.

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