
Österreich hat sich in der ersten Phase des Ukraine-Kriegs nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert: Wenn man den Holzhammer auspackt und meint, die Neutralität sei den Österreichern nach dem Zweiten Weltkrieg durch die sowjetischen Kommunisten aufgezwungen worden, mag das der ersten Emotion geschuldet sein, es hat nur nichts mit der Realität zu tun.
Wenn man kraft des Amtes nach außen erklärt, dass Russland die gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur zerstört habe, stellt sich die Frage, worin dieses Gebilde bisher bestanden hat? Und wenn man dann auch noch den Altvorderen vorschickt, um - wieder einmal - die Neutralität ernsthaft infrage zu stellen und gleichzeitig einen NATO-Beitritt für Österreich zu fordern, dann treten wir nicht nur eine der wesentlichsten Errungenschaften Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg mit Füßen, sondern laufen Gefahr, einen Dritten Weltkrieg mit zu provozieren.
In Zeiten der Krise gilt aus meiner Sicht der Satz des ehemaligen deutschen Kanzlers Konrad Adenauer: Man sollte immer mit heißem Herzen kämpfen, vor allem aber mit kühlem Kopf. Die immerwährende Neutralität Österreichs geht einher mit der Verpflichtung, keinesfalls Partei zu ergreifen - auch wenn es schwerfällt. Auch wenn ich den Wahrheitsbeweis nicht mehr antreten kann: De facto hätte ein großer Staatsmann wie Bruno Kreisky vermittelt, Putin getroffen und einen G-20-Friedens-Gipfel ins Leben gerufen, der an ernsthaften Lösungen interessiert wäre.
Christian Baha, Kronen Zeitung (Gastkommentar)











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