Flucht vor Bomben

Steyrer holt ukrainische Verwandte aus Krakau

Die Sorge um die Verwandtschaft seiner Ehefrau Oksana (48) ließ Johann Pysz (62) aus Steyr in Oberösterreich aktiv werden. Er fährt am Montag mit dem Auto nach Krakau (Polen), wo er ihre Schwägerin, die Schwiegertochter und drei Enkelkinder abholt, die am Sonntag aufgebrochen sind, um in der EU vor den russischen Gräueln Schutz zu suchen und über die ukrainische Grenze zu flüchten.

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Die 33-jährige Marija mit Sohn Marko (2) und die 40-jährige Irina mit den Töchtern Solomia (6) und Anna-stasia (14) waren Sonntagfrüh aus ihrem kleinen Dorf in der Nähe von Tscherwonohrad ins 80 Kilometer entfernte Lemberg (Lwiw) aufgebrochen. Dort organisierte Irinas Ehemann einen Kleinbus, der die beiden Frauen und die Kinder nach Krakau (Polen) bringen soll.

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Ich hoffe sehr, dass sie am Montag in Polen eintreffen und damit auch endlich in Sicherheit sind. Ich hole sie mit dem Auto in Krakau ab.

Johann Pysz (62), Pensionist aus Steyr

Unterstützer auf Facebook gefunden
„Wir stehen telefonisch mit ihnen in Kontakt und hoffen, dass sie am Montag im Laufe des Tages in Krakau ankommen und dann vorerst in Sicherheit sind“, sagt Johann Pysz aus Steyr. Der 62-Jährige, der seit fünf Jahren mit der Ukrainerin Oksana – sie arbeitet im Klinikum Steyr – verheiratet ist, will ihre Verwandten mit dem Auto in Krakau abholen. „Ich hab’ auf Facebook gefragt, ob mir jemand einen Kleinbus für neun Personen leihen könnte. Das hat zwar nicht geklappt, doch ein Ungar aus dem Stadtteil Christkindl hat angeboten, ebenfalls mit seinem Privatauto mit nach Polen zu fahren, sodass wir alle nach Österreich bringen können“, freut sich Pysz.

Insgesamt 14 Stunden unterwegs
Die Entfernung beträgt pro Strecke 628 Kilometer. Pysz rechnet damit, dass er jeweils sieben Stunden unterwegs sein wird. „Ich werde auch Pausen einlegen müssen.“ Das Außenministerium ist darüber informiert. „Mir ist wichtig, dass alles legal und korrekt abläuft“, so der 62-Jährige. In Steyr wird die fünfköpfige Verwandtschaft nur die ersten paar Tage in der 90-Quadratmeter-Wohnung des Ehepaares bleiben. „Ich bin dabei, ein vernünftiges Quartier für sie zu suchen.“ Wie es dann weitergeht und ob die Kinder auch eine Schule besuchen können, steht noch in den Sternen. Ihre Väter im wehrfähigen Alter dürfen die Ukraine bekanntlich nicht verlassen.

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Ich habe die ersten Tage aus lauter Sorge um meine Verwandten keinen Schlaf gefunden. Doch ich muss fit sein, wenn sie kommen.

Oksana Antoniv (48), Spitalsmitarbeiterin

Gerührt über Hilfsbereitschaft
Pysz ist gerührt über die enorme Hilfsbereitschaft von Freunden und Facebook-Bekannten. „Sie haben für unsere Flüchtlinge sofort neue Kleidung, Kindersitze und Süßigkeiten organisiert. Es ist überwältigend, wie groß die Solidarität für sie war.“

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