Mi, 24. Oktober 2018

Nach Festnahme

16.05.2011 13:23

Ehefrau durfte Regimekritiker Ai Weiwei besuchen

Sechs Wochen nach seiner Festnahme hat die Frau des chinesischen Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei ihren Mann am Sonntag besuchen dürfen. "Es geht ihm gesundheitlich gut", berichtete seine Schwester Gao Ge am Montag. Seine Haftbedingungen seien nicht schlecht und er sei auch nicht gefoltert worden, fügte seine Mutter hinzu.

Die Polizei hatte das Treffen überraschend an einem unbekannten Ort in Peking arrangiert. Nach Angaben von Gao Ge ist unklar, ob ihr Bruder über die Vorwürfe gegen ihn informiert ist. "Wir wissen nicht, ob Ai Weiwei es weiß." In dem Gespräch sei nur über familiäre Dinge gesprochen worden. Nach amtlichen Angaben werden dem freimütigen Kritiker des kommunistischen Systems "Steuervergehen" angelastet.

Polizei führte Ehefrau zum Treffpunkt
Seine Frau Lu Qing hatte schon lange um einen Besuch gebeten. Am Sonntagnachmittag sei sie plötzlich aufgefordert worden, zur Pekinger Polizeistation Nangao zu kommen. Von dort sei sie zu dem Treffen gefahren worden. Sie wisse nicht, wohin die Fahrt gegangen sei. "Sie konnte nicht aus dem Auto herausschauen." Das Gespräch mit Ai Weiwei habe "nicht allzu lange" gedauert, berichtete die Schwester weiter.

Es fand offenbar nicht in einem Gefängnis statt. Informierte Kreise spekulierten, dass der 53-Jährige rechtlich offenbar unter "Hausarrest" gehalten wird, allerdings gegen seinen Willen nicht zu Hause oder an einem Ort seiner Wahl. Damit handle es sich zwar praktisch um illegalen Freiheitsentzug, doch umgingen die Behörden mit diesem juristischen Trick die Notwendigkeit, einen Haftbefehl erlassen und Anklage erheben zu müssen.

Ai Weiwei soll sich bester Gesundheit erfreuen
"Ai Weiwei sagte, es gehe ihm gesundheitlich gut", berichtete Gao Ge. "Sein Gesundheitszustand werde täglich untersucht. Auch könne er jeden Tag seine Medizin nehmen", sagte seine Schwester unter Hinweis auf seinen Bluthochdruck und seine Zuckerkrankheit. Die Mutter des Künstlers fügte hinzu, ihr Sohn habe erklärt, in der Haft nicht misshandelt oder gefoltert worden zu sein.

Dass Lu Qing ihren Mann habe sehen können, sei ein Gnadenakt des Staates, sagte Ais Mutter Gao Ying weiter. Ihr Sohn habe keine Einzelheiten über die Haftgründe genannt und lediglich erklärt, er verstehe die Vorwürfe nicht. Die Familie habe bisher noch keinen Anwalt einschalten können, weil sie nicht formell über die Vorwürfe unterrichtet worden sei. "Wir sind froh, wenn wir einen Anwalt einschalten können, sobald der Fall registriert ist."

Festnahme international scharf kritisiert
Ai Weiwei war am 3. April am Flughafen festgenommen worden, als er nach Hongkong fliegen wollte. Seine Festnahme ist international scharf kritisiert worden. Auch Österreich verlangte die sofortige Freilassung des Künstlers. Außenminister und Vizekanzler Michael Spindelegger hatte Ai im Rahmen einer China-Reise Ende Februar in Peking getroffen, Bundeskanzler Werner Faymann hatte Anfang Mai gegenüber dem chinesischen Premier Wen Jiabao seine Besorgnis über den Verbleib des Künstlers geäußert. Menschenrechtsgruppen wiesen darauf hin, dass chinesische Behörden auch in anderen Fällen schon den Vorwurf von Wirtschaftsverbrechen gegen Bürgerrechtler, deren Familienmitglieder oder beispielsweise auch gegen kritische Journalisten erhoben haben.

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