Mo, 12. November 2018

66. Jahrestag

08.05.2011 11:31

Gedenk- und Befreiungsfeier in Mauthausen

Mit einem ökumenischen Gottesdienst ist am Sonntagvormittag das Mauthausen-Gedenken an die Befreiung des ehemaligen NS-Konzentrationslagers vor 66 Jahren eröffnet worden. Rund 7.000 Personen nahmen nach Behördenangaben daran teil. An dem rund zweistündigen Gedenkzug über den Appellplatz beteiligten sich die Delegationen zahlreicher Länder. In diesen gingen auch 66 Jahre nach der Befreiung noch etliche ehemalige Häftlinge mit.

Der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld rief in seiner Predigt zu mehr Zivilcourage und zum verstärkten Einsatz gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Rassismus auf. Es gelte "zu protestieren und die Stimme zu erheben für die Menschen, die heute Unrecht erleiden, die gefangen sind, unterdrückt und verfolgt werden, aber auch für jene, die rassistischer Hetze und der Willkür der Behörden ausgesetzt sind".

Das Gedenken in Mauthausen mahne zudem auch zum Widerstand und zur Bekämpfung aller Tendenzen der "Verharmlosung und Verdrehung der Geschichte", unterstrich der Landessuperintendent. Es sei für ihn "skandalös", so Hennefeld, dass an einem Tag wie heute ein von einer rechtsextremen Burschenschaft organisiertes Totengedenken am Wiener Heldenplatz stattfinden könne.

Das offizielle Österreich war bei der Feier unter anderem durch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die neue Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Sozialminister Rudolf Hundsdorfer, Gesundheitsminister Alois Stöger, Integration-Staatssekretär Sebastian Kurz und den oberösterreichischen Landeshauptmann Josef Pühringer vertreten.

Themenschwerpunkt "Netzwerk des Terrors"
Das Mauthausen Komitee Österreich erklärte das "Netzwerk des Terrors" zur Verfolgung und Vernichtung politisch Andersdenkender, rassistisch Verfolgter und von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurden, heuer zum Themenschwerpunkt der Gedenkfeiern.

Es wies darauf hin, dass nicht nur zwischen den Konzentrationslagern und dem gesamten Lagersystem der Nationalsozialisten eine enge institutionelle Verflechtung, sondern auch ein weitreichendes informelles Netzwerk von Spitzeln, Denunzianten, Mittätern und Mitläufern bestanden habe. Historische Forschungen hätten deutlich gezeigt, dass ohne dieses informelle auch das institutionelle Netzwerk nicht funktioniert hätte.

Die Beschäftigung mit dem informellen Netzwerk führe unweigerlich zu den Begriffen der Zivilcourage und der Entscheidungsfreiheit - die Mittäterschaft habe fast immer auf freiwilliger Basis basiert -, die heute ebenso aktuell seien.

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