14.01.2022 14:54 |

Trick gegen EU-Regel

„Absurde“ Leerflüge - Österreich nutzt Ausnahme

Airlines führen in Europa Tausende Flüge ohne Passagiere durch. Der Grund für diese Leerflüge ist die strenge Slot-Regelung der EU-Kommission: Wenn Fluglinien wegen Corona ihre Abflug- und Landeslots an Flughäfen nicht nutzen, verlieren sie diese. Deshalb sehen sie sich zu diesen „Geisterflügen“ gezwungen. In Österreich sind sie allerdings nicht nötig, weil man eine Ausnahmeklausel für höhere Gewalt aktiviert habe, teilte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) nun mit. Sie fordert andere Staaten auf, es Österreich gleichzutun.

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„Diese Leerflüge sind genauso absurd, wie es auf den ersten Blick scheint“, kritisiert Gewessler. „Sie blasen Unmengen klimaschädliches CO₂ in unsere Luft und heizen die Klimakrise weiter an. Und sie lassen sich ganz einfach vermeiden.“ Auch auf EU-Ebene habe es 2020 eine umfassende Regelung zur Vermeidung von Leerflügen gegeben. Gewessler fordert nun, dass die von Österreich verwendete Ausnahme in ganz Europa gelten soll. Dazu brauche es von der EU-Kommission eine deutliche Klarstellung. 

Lufthansa rechnet mit 18.000 Leerflügen
Aktuell rechnet allein die Lufthansa damit, dass sie in der laufenden Wintersaison rund 18.000 Leerflüge durchführen wird. „Ab Mitte Januar bis Februar sehen wir einen scharfen Abriss in den Buchungen. Im Winterflugplan müssen wir daher im Konzern 33.000 Flüge oder rund zehn Prozent streichen“, hatte Konzernchef Carsten Spohr kurz vor Weihnachten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt.

Spohr warf der EU vor, durch die Slot-Vorgaben müsse man zu viele Flugzeuge abheben lassen: „Aufgrund der schwachen Nachfrage im Januar hätten wir sogar noch deutlich mehr Flüge reduziert. Aber wir müssen im Winter 18.000 zusätzliche, unnötige Flüge durchführen, nur um unsere Start- und Landerechte zu sichern.“ Dabei hat Brüssel die ursprüngliche Slot-Regel von einer Ausnutzung von mindestens 80 Prozent auf derzeit 40 Prozent abgemildert und schreibt 64 Prozent für April bis Oktober vor.

Ryanair will Neuverteilung von Slots
Freilich: Die Airlines werden nicht gezwungen, die Leerflüge durchzuführen - wenn nicht, gehen die Slots aber verloren. Ein Anlass für die Billigfluglinie Ryanair, um von „falschen Behauptungen“ der Lufthansa über die Notwendigkeit der Flüge zu sprechen, die Brüssel ignorieren solle. Die EU solle die Lufthansa sowie andere staatlich subventionierte Airlines vielmehr zwingen, Slots freizugeben, die diese nicht nutzen wollten. Ryanair und andere könnten diese Flüge dann zu niedrigeren Ticketpreisen anbieten.

Kritik an den Leerflügen übte zuletzt auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Die unsinnigen Flüge, um trotz weniger Passagiere in der Pandemie Start- und Landerechte nicht zu verlieren, seien ein „Schildbürgerstreich“, der beendet werden müsse, so der VCÖ am Donnerstag. Er forderte von der EU-Kommission, die verantwortliche Slot-Regelung auszusetzen.

Trotz Corona mehr An- und Abflüge in Österreich
Obwohl die Corona-Krise den Flugverkehr reduziert hat, haben die An- und Abflüge in Österreich im Vorjahr gegenüber 2020 um fast 16 Prozent auf 171.500 zugenommen, wie der VCÖ am Donnerstag unter Berufung auf Daten der europäischen Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol erklärte. Jedoch waren es im Jahr 2019 noch um fast 185.000 mehr gewesen, also gut doppelt so viele wie zuletzt.

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