12.01.2022 10:16 |

Effekt nachgewiesen

Experten federn Polarisierung durch Politiker ab

Wenn es um Maßnahmen zur Bekämpfung Corona-Pandemie geht, schaukeln sich die Emotionen häufig auf und die Polarisierung innerhalb der Bevölkerung tritt offen zutage. Ein Forscherteam um Leaf Van Boven von der University of Colorado (USA) hat nun aufgezeigt, dass viele Menschen Einschränkungen eher annehmen, wenn die Ankündigung aus „ihrem“ politischen Lager kommt. Die Quelle ist also entscheidend, weniger der Inhalt. Holt man aber Experten an Bord, erhöht sich die Akzeptanz.

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An der Studie war mit Stephan Dickert vom Institut für Psychologie der Universität Klagenfurt auch ein Österreicher beteiligt. Befragt wurden fast 13.000 Personen in den USA, Schweden, Italien, Brasilien, Israel, Südkorea und Großbritannien. Für die Untersuchung fokussierte man auf demokratische Länder, deren politische Systeme allerdings etwas unterschiedlich ausgestaltet sind, wie Dickert erklärte.

So ist die politische Landschaft in den USA traditionell durch zwei Parteien geprägt, die liberaleren Demokraten und die konservativeren Republikaner. In anderen Ländern gibt es ein deutlich vielstimmigeres politisches Parkett, eher vergleichbar mit jenem in Österreich oder Deutschland. „Wir wollten herausfinden, ob diese politische Polarisierung verhindert, Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus zu unterstützen“, so Dickert.

„Eigene Seite wird aufgewertet, die andere abgewertet“
Die Forschung hat nun gezeigt, dass sowohl politisch liberale wie konservative Menschen eher bereit sind, Maßnahmen gegen die Pandemie zu unterstützen, wenn diese vom eigenen politischen Lager vorgeschlagen werden: „Die eigene Seite wird aufgewertet, die andere abgewertet. Das ist ein recht grundlegender sozialpsychologischer Prozess.“

In der Studie wurden zuerst die politischen Einstellungen der Befragten erhoben. Die Teilnehmer erhielten dann die gleichen Vorschläge zur Pandemieeindämmung mit Fokus auf einerseits Gesundheit oder andererseits wirtschaftliche Aspekte entweder von der „eigenen“ oder einer „anderen“ politischen Gruppierung. Ob Gesundheit oder Wirtschaft dabei im Vordergrund standen, machte kaum einen Unterschied. Entscheidend war, „wer es gesagt hat“, betonte Dickert.

Forscher: „Der Effekt ist da“
Man beobachte hier eine Art affektiv-emotionale Polarisierung. Denn zu dem, was die eigene Gruppe behauptet, hat man tendenziell ein gutes, vertrauensvolles Gefühl. Kommt etwas von der anderen Gruppe, wird es oft automatisch abgewertet - egal, was der Inhalt ist. In der Studie war dies bei Weitem nicht nur in den USA zu beobachten, sondern auch in den anderen Ländern. Die einzige Ausnahme war Großbritannien, wo aber nicht zuletzt durch den Brexit das politische Gefüge kürzlich gehörig durcheinandergewirbelt wurde. Dickert: „Der Effekt ist da, und scheint nicht so sehr davon abzuhängen, dass man nur ein Zwei-Parteien-System hat.“

Mit vertrauenswürdigen Experten aus der Polarisierungsfalle
Zusätzlich testeten die Wissenschaftler, was passiert, wenn die gleichen Maßnahmen von mehreren Parteien gemeinsam vorgeschlagen werden oder von Experten ins Spiel gebracht werden. Beide Vorgehensweisen führten im Schnitt zu höherer Akzeptanz. Während sich also Menschen eher einer Meinung verschließen, wenn diese vom anderen politischen Lager kommt, können vertrauenswürdige Experten diese Reaktion ein Stück weit aufbrechen, so Dickert. Will man also aus der Polarisierungsfalle herauskommen, hilft es Experten einzuschalten und ein möglichst breites politisches Spektrum ins Boot zu holen.

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