11.01.2022 16:31 |

Akute Gefahr für Wale

Ölgigant muss Unterwasser-Schallkanonen stoppen

Die Klimakrise schreitet ungehindert voran - trotzdem sucht die Ölindustrie weiter nach neuen Öl- und Gasvorkommen. Dabei dringt sie immer weiter in bisher unangetastete Meeresregionen, den Lebensraum unzähliger Tiere, vor. Ein Hoffnungsschimmer für Wale und Co.: In Südafrika hat nun ein Gericht den Ölgiganten Shell angewiesen, entlang der Wild Coast Pläne für seismische Sprengungen auszusetzen. Diese werden von Menschen als achtmal so laut empfunden wie ein Düsenjet beim Abheben oder so laut wie eine Weltraumrakete - eine Qual für Meerestiere.

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„Das Gerichtsurteil in Südafrika ist ein Riesenerfolg für die Wale und die Meerestiere vor Ort. Mit der Ölsuche hätte Shell die blaue Wildnis vor Ort in extreme Gefahr gebracht. Doch gemeinsam mit vielen Menschen vor Ort konnten wir dieses Horrorszenario fürs Erste stoppen. Ölriesen wie Shell müssen endlich einsehen, dass fossile Energien ein Relikt der Vergangenheit sind,“ freut sich Lukas Meus, Meeresexperte bei Greenpeace Österreich, über den Etappenerfolg.

Die Wild Coast - kilometerlange blaue Wildnis, Meeresschutzgebiete und Hotspot für viele Meerestiere wie Delfine - findet man an der Küste Südafrikas. Auch Buckelwale sind dort zu Hause. Sie kommen von ihren Futterplätzen in den kalten Gewässern rund um die Antarktis und wandern bis an die Ostküste Afrikas nach Somalia, um dort zu gebären und sich zu paaren.

Schallkanonen als Bedrohung für die Unterwasserwelt
Doch der Ölkonzern Shell hat im Dezember 2021 dort damit begonnen, mit Schallkanonen auf die Suche nach Öl- und Gasquellen zu gehen. Hunderte Aktivisten protestierten wochenlang gegen diese Pläne. Ein zweiter Eilantrag hatte Erfolg: Shell muss die seismischen Untersuchungen stoppen. Ein südafrikanisches Gericht stellte fest, dass die mögliche Bedrohung für die Unterwasserwelt begründet ist.

Luftkanonen - so laut wie eine Weltraumrakete
Die Ölindustrie setzt sogenannte seismische Untersuchungen ein, um herauszufinden, wo sich Ölquellen in den Meeren befinden. Komprimierte Luft wird durch das Wasser auf den Meeresgrund gefeuert, das zurückgeworfene „Echo“ enthält Informationen über Öl und Gas im Boden. Die dafür benötigte Lautstärke ist enorm: Im Wasser beträgt sie 259 Dezibel, über Wasser würde sie von Menschen als achtmal so laut empfunden wie ein Düsenjet beim Abheben oder so laut wie eine Weltraumrakete. Dieser Lärm wird alle zehn Sekunden rund um die Uhr für mehrere Monate verursacht - ein Horrorszenario für Wale, die Schall nutzen, um miteinander zu kommunizieren, sich zu orientieren und um auf Nahrungssuche zu gehen.

„Für Meerestiere wie Wale sind seismische Untersuchungen eine Katastrophe. Die Schallkanonen können ihr Gehör schädigen und somit ihre Nahrungssuche, Tauch- und Migrationsmuster stören. Wale können dadurch stranden und sterben. Doch die Ölindustrie kennt kein Tabu und will mit allen Mitteln diese hochriskanten Pläne umsetzen,“ so Meus.

Ölindustrie als massive Bedrohung für Tierwelt
Doch nicht nur in Südafrika sind Ölkonzerne auf die Suche nach neuen Quellen. Auch vor der Küste Argentiniens wird aktuell nach dem Rohstoff gefahndet. Die Gewässer vor Argentinien sind wichtige Nahrungs- und Wanderungsgebiete für einzigartige Meerestiere: Hier leben Orcas, der südliche Glattwal, Delfine, Pinguine, Seelöwen und Seeelefanten. Die Ölindustrie könnte das alles vernichten. Meus: „Sowohl für den Klimaschutz, als auch für die Bewahrung der Wale müssen die Ölkonzerne nun auch an anderen Artenschutz-Hotspots ihre Pläne sofort aufgeben.“

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