Album & Konzerte

Familie Lässig wollen eine heile Welt provozieren

Die heimische All-Star-Band Familie Lässig startet das heimische Musikjahr 2022 mit dem brandneuen Album „Eine heile Welt!“ und einer Wagenladung von geplanten Live-Konzerten. Clara Luzia, Manuel Rubey und Gerald Votava sprachen mit uns über Shitstorms, das neue Werk und warum man sich die heile Welt einfach erschaffen muss, wenn sie schon nicht existiert.

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2014 schlossen sich diverse prominente Künstlerinnen und Künstler im Wiener Stadtsaal zusammen, um bei einer Benefizveranstaltung für die Flüchtlingshilfe „Purple Sheep“ ein paar Cover-Songs zu spielen. Zur heimischen „All-Star-Band“ zählten etwa ex-Mondscheiner und Schauspieler Manuel Rubey, der vielseitige Gerald Votava und Kabarettist Günther „Gunkl“ Paal. Aus den zwei ursprünglichen Events entwickelte sich eine kreative und menschliche Freundschaft, die 2018 zum Debütalbum „Im Herzen des Kommerz“ und diversen Liveauftritten führte.

Mittlerweile ist die leicht veränderte Combo längst eine Institution am heimischen Populärmusik-Firmament und geht Anfang 2022 den nächsten logischen Schritt: mit „Eine heile Welt!“ folgt Album Nummer zwei und das erste, auf dem man sich nicht auf Cover-Songs verlässt.

Witz und Ernst
„Wir stolpern halt so vorwärts“, schmunzelnd Manuel Rubey im „Krone“-Gespräch. Er ist heute gemeinsam mit Votava und Clara Luzia für unsere Fragen zuständig und nimmt gerne die Rolle des Sprachrohrs ein. „Es entwickelt sich alles organisch. Es ist aber nicht absehbar, wie groß das Haus der Familie Lässig wird und wohin es weitergeht.“ Schnell wird klar, bei der Familie rennt der Schmäh. Man hat sich gegenseitig am Kieker, versteht sich blendend und konterkariert damit ein bisschen die Ernsthaftigkeit, die sich durch viele der neuen Songs zieht.

So ist „Büro Büro“ ein Plädoyer für das Entspannen und Entschlacken abseits der Arbeitsgefangenschaft, befasst sich die Single „Besserwisser“ mit ebenjenen, denen man weder on-, noch offline entkommt oder erinnert „Mein Herz ist korrupt“ mit der Textzeile „Ich habe im Auge des Shitstorms geschlafen“ an ebenjenen, dem Rubey mit seiner eher missglückten Beteiligung an der #allesdichtmachen-Aktion im vergangenen Frühjahr ausgesetzt war.

Schon drei Shitstorms
„Ich bin ja eigentlich schon durch drei Shitstorms gegangen. Die anderen waren für den ,Falco‘-Film und damals, als ich mit Thomas Stipsits den ,Life Ball‘ moderierte“, erinnert er sich zurück, „es kann heute wirklich jedem und immer passieren. Ich habe diese Erfahrungen gemacht und wäre mit dem Thema dann auch einmal durch. Ich will aber auch nicht immer wegen allem aufpassen müssen. Wir leben in einer Zeit, wo einem immer Absicht unterstellt wird.“

Ein Shitstorm sei etwas, an das man sich nie so ganz gewöhnt. „Man ärgert sich ja auch selbst, dass man nicht genau genug geschaut hat und sich dazu hat instrumentalisieren lassen.“ Dass Kunst und Kultur nicht per se frei seien, das findet die Familie an sich gut.

Arschlöcher unerwünscht
„Schlecht ist es dann, wenn ein öffentliches Schafott eingerichtet und jeder vorgeführt und an den Marterpfahl geführt wird“, führt Clara Luzia aus, „es wird heute nicht mehr genau nachgefragt, sondern sofort gerichtet. Ich finde es gut, dass man stärker darauf achtet, was man sagt, aber wie überall im Leben ist das richtige Maß dafür entscheidend.“ Rubey sieht sich genau da in der Familie Lässig goldrichtig aufgehoben.

„Ich möchte gerne mit Menschen arbeiten, die ich für ihre Haltung schätze. Das ist für mich mindestens genauso wichtig wie die Tatsache, dass die Künstlerin gut und spannend ist. Ich hätte überhaupt keine Lust, mit einem genialen Arschloch in einer Band zu spielen.“ Die sechs Mitglieder der Familie Lässig kommen aus unterschiedlichen Generationen und Kulturfeldern und haben unterschiedliche Geschmäcker. Ein Vorteil für alle Beteiligten.

„Bei uns gibt es eine gewisse Bereitschaft, Dinge auszudiskutieren und sich punktuell überzeugen zu lassen. Uns eint eine Grundsympathie füreinander, von dort an arbeiten wir kreativ weiter.“ Es wäre kein österreichisches Album, würde man den Titel „Eine heile Welt!“ wortwörtlich nehmen. Davon kann freilich keine Rede sein. „Wir wollen diese heile Welt aber provozieren“, wirft Votava ein, „deshalb auch das Ausrufezeichen im Titel. Den Anspruch, die gesamte Welt heilen zu können, haben wir nicht. Aber in der Musik funktioniert die Flucht in eine solche Welt noch immer gut.“

Dass mit einer heilen Welt auch die Einstellung „früher war alles besser“ mit einhergeht, sei laut Luzia vor allem den sozialen Medien geschuldet. „Heute prasseln permanent Informationen auf uns ein, das war früher einfacher. Eine heile Welt ist sowieso für jeden etwas anderes, aber unsere Platte ist für alle gedacht.“

Auf zur Alltagsflucht
Bei der Familie Lässig findet besagte heile Welt mitunter im Proberaum statt, wo das Handy dann auch mal zwei Stunden abgedreht wird. Außerdem könnte man ja gleich auch einen problembehafteten Begriff etwas entschärfen, wie Votava folgerichtig erkennt. „In Österreich ist das Wort ,heil‘ leider negativ behaftet, aber der englische Begriff ,whole‘ ist prinzipiell positiv. Auch ein Wort wie Seelenheil ist sehr schön. Es wird Zeit, dass wir heil wieder ins Positive zurückholen.“

Mit den brandneuen Songs katapultiert sich die Familie nicht nur endgültig aus der Cover-Schiene, sondern kann auch ein Abendprogramm würdig füllen. „Das Wichtigste für uns ist, die Menschen zu unseren Konzerten zu bringen, sie für zwei Stunden aus dem Alltag zu holen und es zu schaffen, dass es ihnen danach hoffentlich ein bisschen besser geht als vorher.“

Live-Konzerte geplant
So Omikron will, wird die Familie Lässig ihr neues Werk „Eine heile Welt!“ am 7., 8. und 9. Jänner 2022 an gleich drei Abenden im Wiener Stadtsaal live präsentieren. Das könnte sich tatsächlich noch ausgehen. Unter www.familielaessig.com findet man alle weiteren geplanten Tourdaten quer durch das Jahr 2022, weitere Infos und auch die Karten für die Konzerte. Ein guter Start für das neue heimische Pop-Jahr.

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