19.12.2021 05:55 |

Im Doppelinterview

Wöginger und Maurer sind „Feuerwehr der Koalition“

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein - und legen dennoch einen harmonischen Paarlauf hin. Im Interview mit der „Krone“ plaudern die Klubobleute Sigrid Maurer (Grüne) und August Wöginger (ÖVP) aus dem Koalitions-Nähkästchen. Dabei wurde auch gelacht.

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„Krone“: Es ist viel vom dünnen Eis, auf dem die Koalition steht, die Rede. Sie gelten als Dream-Team von Türkis-Grün. Ist das Eis, auf dem Sie stehen, dicker?
Sigrid Maurer: Wir haben in den letzten zwei Jahren gut zusammengearbeitet und sind schon ein Stabilitätsfaktor für die Koalition, bei uns ist das Eis ziemlich dick.
August Wöginger: Wenn das Eis dünn ist, sollte man nicht darauf stampfen. Wir zwei machen das nicht, daher funktioniert es auch.

Man hört, dass Sie beide sich schon im Vorfeld absprechen, wenn vorauszusehen ist, dass es rumpelt. Und sich quasi warnen. Stimmt das? (Pause, Maurer und Wöginger blicken einander an, sie lachen.)
Wöginger: Also alles sagen wir auch nicht.
Maurer: Die Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn man miteinander spricht. Wir haben schon eine gewisse Feuerwehrfunktion. Unser Job ist zu schauen, dass der Sand aus dem Getriebe herauskommt.
Wöginger: Wir versuchen zu deeskalieren, wenn es mal zu emotional wird.

Generell hat man aber nicht den Eindruck, dass es in der Koalition rund läuft. Die Grünen haben Sebastian Kurz als Kanzler abmontiert, es gibt Streit, womöglich auch vor Gericht, um den Lobautunnel. Sieht so Stabilität aus?
Maurer: Die Menschen erwarten, dass wir arbeiten. Das machen wir auch. Die Turbulenzen sind ja nicht von uns ausgelöst worden.
Wöginger: Wir haben in der Volkspartei sehr herausfordernde Tage hinter uns. Jetzt können wir gut weiterarbeiten.

Es war damit zu rechnen, dass Sie sagen, es laufe gut. Bei einer Wette, ob die Koalition bis zum regulären Ende der Legislaturperiode 2024 hält, wie hoch wäre Ihr Einsatz?
Wöginger: (lacht) Was haben wir für ein Volumen?

Was Sie einsetzen wollen.
Wöginger: Ich würde viel einsetzen.
Maurer: Ich auch. Ich habe schon um einige Abendessen gewettet, die habe ich alle gewonnen.
Wöginger: Ich möchte ergänzen, dass wir viele Projekte abarbeiten. Ich bin 19 Jahre Abgeordneter im Nationalrat und habe viele Konstellationen erlebt. Diese Intensität der letzten zwei Jahre habe ich aber selten erlebt.

Das heißt, mit den Grünen fühlen Sie sich am wohlsten?
Wöginger: Ich fühle mich sehr wohl mit den Grünen. Das hat eine besondere Qualität.

Da kommt einem natürlich in den Sinn, dass Sie im vergangenen Wahlkampf davor gewarnt haben, dass man die Kinder zum Studieren in die Stadt schickt und diese dann als Grüne zurückkommen.
Wöginger: Das haben wir leider immer noch. (Lacht) Vielleicht gibt es tatsächlich solche Konstellationen.

Umweltministerin Leonore Gewessler hat sich mit dem Aus für den Lobautunnel den Zorn der ÖVP zugezogen. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat rechtliche Schritte angekündigt. Wie soll sich das in der Koalition ausgehen?
Maurer: Die Sachlage ist klar, Leonore Gewessler ist zuständig. Sie hat ihren Job zu erledigen, und dass sie nicht ein Naturschutzgebiet durch einen Tunnel zerstört, ist klar. Wenn die Länder klagen wollen, ist das ihr gutes Recht, dann wird ein Gericht entscheiden.
Wöginger: Dass wir beim Straßenbau nicht einer Meinung sind, ist bekannt. Wir stehen für Straßenbauprojekte, aber Ministerin Gewessler ist zuständig. Wichtig für uns ist, dass es Alternativen gibt.

Bisher liegen aber keine Alternativen auf dem Tisch.
Maurer: Das Projekt besteht ja aus mehreren Teilen. Da ist vor allem die Stadt Wien am Zug.

Das sieht Wiens Bürgermeister Michael Ludwig anders. Er hat vor Kurzem auch ein Demo-Verbot vor Spitälern gefordert. Sind Sie dafür?
Maurer: Das ist ein schwieriger Bereich. Das Demonstrationsrecht ist ein wichtiges Grundrecht. Ich verstehe die Emotion, aber Verbotszonen einzurichten ist rechtlich nicht so einfach.
Wöginger: Es gibt bereits den Beschluss, der besagt, dass die Zufahrten frei bleiben müssen. Viele Menschen verstehen nicht, dass dort, wo um das Leben der Corona-Patienten gerungen wird und das Personal am Rand der Belastbarkeit steht, auch noch demonstriert wird.
Maurer: Angriffe auf das Gesundheitspersonal sind natürlich unerträglich. Das hat sich auch durch die FPÖ, die hier Öl ins Feuer gießt, verschärft. Ich hoffe, dass sich die Situation über Weihnachten beruhigt.

Die Stimmung ist aber aufgeheizt. Trägt da nicht auch die Politik eine Mitschuld - es hat lange geheißen, dass keine Impfpflicht kommt, und die ÖVP hatte die Pandemie schon lange für gemeistert erklärt.
Wöginger: Der gemeinsame Feind ist das Virus und nicht die Menschen untereinander. Wichtig ist, dass wir alles unternehmen, um das Impfen voranzutreiben.

Das war jetzt aber nicht die Antwort auf die Frage.
Wöginger: Es gibt kein Handbuch für Corona, natürlich passieren da Fehler.
Maurer: Ich glaube, wir haben uns als Politikerinnen und Politiker alle an der Nase zu nehmen. Es ist Vertrauen verloren gegangen, dieses müssen wir zurückgewinnen. Ich stehe auch nicht an, so wie etwa schon Wolfgang Mückstein, mich zu entschuldigen, dass die Performance manchmal den eigenen Ansprüchen nicht genügt.

Doris Vettermann
Doris Vettermann
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