08.12.2021 18:55 |

Unis als „Zuhälter“

Geldnot: Pandemie treibt Studenten in Prostitution

Teure Hochschulgebühren, hohe Lebenshaltungskosten - ein Studium in Großbritannien ist teuer, doch Nebenjobs sind wegen der Pandemie rar. Für einige Studierende lautet die Lösung: Sexarbeit. Regelrecht unterstützt werden sie dabei von einigen Universitäten.

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Das Studium im Vereinigten Königreich ist teuer. Einheimische zahlen bis zu 9250 Pfund (11.000 Euro) Studiengebühr im Jahr, für Ausländer ist es mehr als doppelt so teuer. Hinzu kommen hohe Lebenshaltungskosten. Rund zwei Drittel der Studierenden gehen einem Nebenjob nach, auch weil das staatliche Unterhaltsdarlehen im Schnitt 223 Pfund niedriger ist als die Lebenshaltungskosten.

Zahl der studentischen Sexarbeiter wird auf bis zu 70.000 geschätzt
Eine Umfrage des Finanzportals Save the Student ergab, dass drei Prozent der Studierenden sich mit Sexarbeit das Studium finanzieren, weitere neun Prozent spielen mit dem Gedanken. Die Studentenvertretung der Uni Kingston schätzt die Zahl der studentischen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter im Land auf bis zu 70.000.

Uni bietet sogar Online-Training an
Dennoch: In der Öffentlichkeit war studentische Sexarbeit kaum Thema. Doch das ändert sich, auch weil die konservative Regierung nun einen Skandal wittert. Anlass ist ein Online-Training, dass die Studentenvertretung der Universität Durham angeboten hatte. Dabei ging es darum, denjenigen Hilfe, Unterstützung und Tipps anzubieten, die mit Sexarbeit Geld verdienen oder dies erwägen. Zuvor hatte bereits die Universität Leicester ihren Studenten versichert, dass es legal sei, sich gegen Geld vor Kameras auszuziehen oder sich von reichen Männern, sogenannten Sugar Daddies, aushalten zu lassen.

Politik erzürnt
Hochschul-Staatssekretärin Michelle Donelan zeigte sich empört. Die Universitäten würden eine „gefährliche Branche“ legitimieren, sagte Donelan. „Dieser Kurs will den Verkauf von Sex, der keinen Platz an unseren Universitäten hat, normalisieren.“ Doch die Entrüstung wirkte schnell wie ein Sturm im Wasserglas. „Wir entschuldigen uns nicht für unsere Arbeit, mit der wir sicherstellen, dass Durham eine sichere Umgebung für alle Studierenden und Mitarbeiter bietet“, teilte die Universität Durham mit. Es gebe viele Kurse, um in Fragen psychischer Gesundheit, Drogen oder Alkohol zu unterstützen.

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Dieser Kurs will den Verkauf von Sex, der keinen Platz an unseren Universitäten hat, normalisieren.

Hochschul-Staatssekretärin Michelle Donelan

Deutliche Zunahme an Sexarbeiterinnen seit Pandemie
Die Zahl der studentischen Sexarbeiter hat in der Pandemie nach Einschätzung von Experten deutlich zugenommen, auch dank des Online-Angebots. „Mit der Zunahme von Plattformen wie OnlyFans oder JustForFans können alle von ihrem Zuhause oder aus ihrem Wohnheim Sexarbeit betreiben“, schrieben Elizabeth Buckner und Aaron Brown von der kanadischen Universität Toronto. Die Userzahlen von OnlyFans haben sich in der Corona-Krise vervielfacht.

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Mit der Zunahme von Plattformen wie OnlyFans oder JustForFans können alle von ihrem Zuhause oder aus ihrem Wohnheim Sexarbeit betreiben.

Elizabeth Buckner und Aaron Brown von der kanadischen Universität Toronto

Wichtig bleibt die Aufklärung. „Es ist wichtig, dass alle Universitäten eine Richtlinie zur Sexarbeit haben, um zu verhindern, dass Studierende Diskriminierung oder Vorurteile erfahren“, sagte Jessica Hyer Griffin, Gründerin des Hilfswerks Support for Student Sex Workers. Die Universitäten müssten zudem mehr Beschäftigte schulen. „Sexarbeit wird für Studenten nicht verschwinden, die Universitäten müssen dem Rechnung tragen und die Studenten schützen.“

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