Aus für Lobau-Tunnel

S34 für St. Pölten wird zur „Sparschnellstraße“

Wer in Schwechat auf die S1 auffährt, kann in Korneuburg nicht wieder von der S1 abfahren. Dazwischen fehlt der Lobau-Tunnel, der den „Ring um Wien“ erst komplett gemacht hätte. Doch das umstrittene Projekt wurde jetzt begraben. Und das sehr zur Freude der Naturschützer - und zum Ärger ihrer natürlichen Feinde, der Autopendler. Auch das Pendel der politischen Reaktionen schlägt in beide Richtungen aus.

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Das endgültige Aus für den umstrittenen Lobau-Tunnel, das am Dienstag offiziell verkündet werden soll, war kein allzu gut gehütetes Geheimnis. Und dennoch hüllte sich die grüne Verkehrsministerin gestern in Schweigen. Auch die Umweltschützer von Greenpeace waren überrascht: Dienstagmorgen warnten sie erneut vor der Zerstörung der Au.178 Hektar „hochwertiges Ackerland“ würden durch den Bau verschwinden - eine Fläche so groß wie der vierte Wiener Gemeindebezirk. Die Freude bei den Regenbogenkämpfern und ihren Gesinnungsgenossen von Global 2000 ist nun groß.

Groß war im Wiener Rathaus am Dienstag nur der Zorn von Bürgermeister Michael Ludwig – er rechnet durch den grünen Kahlschlag beim Straßenbau nun mit einem Millionenschaden für die Stadt und kündigte Klagen gegen die Republik an.

S34 mit weniger Bodenverbrauch
Versöhnlicher waren die Töne in St. Pölten – wohl auch, weil die Landeshauptstadt ihre Umfahrung wohl behalten darf. Wie berichtet, hatte es auch gegen die S34 zahlreiche Proteste gegeben. Die Schnellstraße durch das Traisental soll nun in einer abgespeckten Variante mit deutlich weniger Bodenverbrauch gebaut werden. Wie und wo und wann, darauf gab es aus dem Ministerium keine konkreten Antworten.

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Die Redimensionierung bietet Möglichkeiten für eine Flächenreduktion. In ihrer kleineren Variante können wir mit der S 34 die Verkehrsentlastung für St. Pölten und Ökologie unter einen Hut bringen.

Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP)

Klare Worte kommen von den Freiheitlichen: „Das Aus für den Lobau-Tunnel bedeutet den Verkehrsinfarkt für die Ostregion“, wettert Sprecher Dieter Dorner. Und: „Gewesslers verkehrspolitische Amokfahrt muss gestoppt werden!“ - „Klimaschutzministerin Leonore Gewessler hat bereits beim Stopp der S37 in der Steiermark bewiesen, dass man gemeinsam mit den Ländern gute Alternativen auf den Weg bringen kann“, meint indes Helga Krismer von den Grünen. Sie lobt vor allem die Aussicht auf einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs in und rund um die Landeshauptstadt.

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Die Bedenken gegen die S 34 waren groß. Die aktuelle Entscheidung ist zu akzeptieren, muss aber Überlegungen nach sich ziehen – etwa indem jetzt mehr Güterverkehr auf die Schienen verlegt wird.

Edith Kollermann von den Neos

Dieser ist für die Volkspartei auch eine „Notwendigkeit“ für die Sparvariante der S34. Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko: „Das Straßenprojekt zu redimensionieren ist ein gangbarer Weg.“ Und auch wenn Begeisterung anders klingt, heftet er sich die Lösung an die eigenen Fahnen: „Ein solches Vorgehen im Rahmen des bestehenden Bundesstraßengesetzes wurde von uns auch von Anfang an vorgeschlagen.“ Nach der „Krone“ informierte Schleritzko auch die Stadt St. Pölten.

„Entlastung durch Schiene und Straße“
SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler begrüßt das „Bekenntnis zur Entlastungsstraße“, pocht aber darauf, dass die Sparvariante nicht auf Kosten der Verkehrssicherheit gehen dürfe, wie das bei der S33 der Fall gewesen sei.

Er wartet aber ebenso wie alle anderen auf mehr Infos aus dem Ministerium, stellt aber klar, dass man sich sowohl beim Straßenbau als auch in Sachen Öffi-Offensive keine jahrelangen Verzögerungen mehr leisten kann. Stadler: „Eine wahre Entlastung kann es nur durch Schiene und Straße geben!“

Thomas Lauber
Thomas Lauber
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