29.11.2021 06:00 |

„Sehr gefährlich“

Cannabis-Freigabe bei uns undenkbar

Auch wenn in Deutschland die Legalisierung von Haschisch so gut wie sicher ist, sehen österreichische Experten in dieser möglichen Drogen-Liberalisierung ein „sehr, sehr gefährliches Experiment“.

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Wer über Drogen – von Cannabis über Kokain bis Heroin – spricht, kann wohl nur dann realistisch über diese gesellschaftspolitische Problematik urteilen, wenn er mit jenen redet, die Drogenkranken und dem kriminellen Umfeld – samt teils schlimmen Folgen – am nächsten stehen: Suchtgiftjäger!

Deshalb haben wir einen der erfahrensten Ermittler nicht nach der offiziellen Doktrin, sondern nach seiner persönlichen Meinung als Drogenfahnder – natürlich anonymisiert – dazu befragt, ob Cannabis heute immer noch als Einstiegsdroge gilt? Klare Antwort: „Nachdem ich bislang mit mehr als 1000 Jugendlichen zu tun hatte, die Cannabis genommen haben, bleibe ich bei meinem Standpunkt: Über das Haschisch-Rauchen geraten viele junge Menschen in den Teufelskreis.“

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Bei Jugendlichen führt Cannabis zum Wurschtigkeitsdenken. Süchtige werden lethargisch, und oft wirkt es sich auf das Gehirn aus.

Erfahrener BK-Drogenfahnder

Der erste Joint führt oft in den tödlichen Teufelskreis
Oft wäre es nur Neugierde, ein Problem mit der Freundin oder dem Freund. „Und um dazuzugehören, probiert man einen Joint“, so der BK-Drogenkieberer.

Wobei der Einstieg meist mit 13 Jahren passiert und besonders bedrohlich sei. Die Synapsen sind noch angreifbar. „Es kommt zur Baustelle im Kopf! Es folgt ein Versagen in der Schule. Schließlich erscheint den Abhängigen alles als cool, und ein gefährliches Wurschtigkeitsdenken setzt ein“, bringt der Kriminalist das Problem auf den Punkt.

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Klare Absage an eine Freigabe von Cannabis. Denn das wäre das völlig falsche Signal zum völlig falschen Zeitpunkt.

Sicherheitssprecher der ÖVP in Niederösterreich, Gerald Karner

In der Folge setzt bei fast allen, die nicht vom „Gift“ wegkommen, eine Gleichgültigkeit und eine Wesensänderung ein. „Viele Süchtige haben mich schon angebettelt: Bitte Herr Inspektor, helfen Sie mir! Und ich kenne Mütter und Väter, die verzweifelt gesagt haben: ,Ich kenne mein eigenes Kind nicht mehr!‘“

Was würde die Legalisierung von Cannabis eigentlich bewirken? „Obgleich ich prinzipiell ein toleranter Mensch bin, gehe ich davon aus, dass es zu einer Art von Wohlstandsverwahrlosung kommen würde“, so der Polizei-Experte.

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Gesundheitspolitisch halten wir eine völlige Liberalisierung des privaten Konsums von Cannabis nicht für zielführend.

Gesundheitssprecher der SPÖ, Philip Kucher

Rainer Thomas, Leiter eines deutschen Suchtzentrums, warnt ebenso vor der Freigabe: „ In Ländern wie Kanada, den USA oder Portugal, die Cannabis legalisiert haben, zeigte sich, dass dadurch der Konsum um 30 (!) Prozent gestiegen ist. Durch die Freigabe hätten die psychischen Störungen vor allem bei Jugendlichen um 25 Prozent zugenommen.

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Vorerst wird die Entwicklung in Deutschland zu beobachten sein. Aber einen großen Cannabis-Tourismus befürchte ich nicht.

Sicherheitssprecher der Grünen, Georg Bürstmayer

Der österreichische Weg: Therapie statt Strafe!
Und wie stehen die heimischen Parteien zu dem heißen Thema? Auch wenn das Thema Cannabis im schwarz-grünen Regierungsprogramm nicht vorkommt, steht fest: Die ÖVP lehnt eine Legalisierung nahezu geschlossen ab. Die Grünen wiederum zeigen sich zwar etwas offener, sind aber momentan gegen eine generelle Legalisierung.

Die SPÖ will am österreichischen Weg „Therapie statt Strafe“ festhalten. „Mit Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser haben wir 2016 weitreichende Regelungen zur Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten geschaffen“, erläutert SPÖ-Gesundheitssprecher Kucher.

Und da „Cannabis zum Drogeneinstieg führt“ ist eine Freigabe für die Freiheitlichen ein absolutes „No-Go!“

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Cannabis ist sicher die Einstiegsdroge. Wobei ich mir die Frage stelle: Wer in der Regierung hat diese bereits konsumiert?

Generalsekretär der FPÖ, Michael Schnedlitz

„Berauschung an der Natur ist gesünder“
Dr. Ronald Newerkla, Psychologe und Extremalpinist aus St. Pölten, schlägt im Gespräch mit der „Krone“ als Alternative zu Cannabis überhaupt vor, sich besser an der Natur zu berauschen. „Cannabis kann berauschend, entspannend, angstlösend und entzündungshemmend wirken“, sagt er. Gerade im medizinischen Bereich seien dazu immer wieder Studien gemacht worden, die den Einsatz von Cannabis als Ergänzung zu anderen Therapien nahelegten.

Als „Legalize“-Plädoyer will er das aber nicht verstanden wissen: „Mitnichten! Denn, geht es dem Menschen darum, nur Gefühlszustände zu korrigieren, die aus einem inneren seelischen Ungleichgewicht kommen, so soll es ganz klar um andere Wege gehen: Raus in die Natur, sich dort bewegen, einen Berg besteigen und soziale Kontakte pflegen!“

Damit könnten wir „unsere Ängste auf gesunde Weise abbauen und uns entspannen“, so der Mediziner. „Das stärkt nicht nur unser körperliches, sondern auch unser psychisches Immunsystem - beides hängt ja zusammen. Auch spannende geistige Herausforderungen bringen einen Kick. Das sind ebenfalls Erfolge, die berauschen.“

Bei all diesen Möglichkeiten müsse man laut Newerkla über das Legalisieren erst gar nicht nachdenken. „Alles, was der Mensch braucht, kann er aus sich heraus und in sich selbst erzeugen. Da braucht es dann überhaupt keine Suchtmittel.“

Christoph Matzl
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Mark Perry
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