22.11.2021 20:22 |

Mit Hilfe von US-Firma

35 Jahre nach Super-GAU: Neue Reaktoren in Ukraine

35 Jahre nach der Reaktorkatastrophe im Kernkraftwerk von Tschernobyl setzt die Ukraine weiter auf Atomenergie: Der ukrainische Staatskonzern Energoatom hat mit dem US-amerikanischen Unternehmen Westinghouse einen Vertrag über den Bau von zwei Atomkraftwerksblöcken unterzeichnet. „Dies ist ein wirklich schneller Schritt zur Verwirklichung unserer Absichten, die Atomenergieerzeugung in der Ukraine in Zusammenarbeit mit den USA zu entwickeln“, sagte Energieminister Herman Haluschtschenko am Montag.

Beim westukrainischen Atomkraftwerk Chmelnyzkyj sollen zwei Druckwasserreaktoren des Typs AP1000 errichtet werden. Vertragssumme und Baufristen wurden nicht genannt.

Ende August war bei einem USA-Besuch von Präsident Wolodymyr Selenskyj bereits ein Memorandum über den Bau von bis zu fünf Kraftwerksblöcken für umgerechnet bis zu 25 Milliarden Euro unterzeichnet worden. Im rund 180 Kilometer von der EU-Grenze entfernten Atomkraftwerk Chmelnyzkyj bei dem Städtchen Netischyn sind bisher zwei Blöcke sowjetischer Bauart zu je 1000 Megawatt im Betrieb.

Massiver Kernenergie-Ausbau geplant
Der Interimschef von Energoatom, Petro Kotin, kündigte darüber hinaus einen massiven Ausbau der Atomenergieproduktion an. „Unser Ziel ist es, 24 Gigawatt an Atomenergiekapazitäten im Energiesystem zu haben“, sagte er gemäß der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform. Aktuell haben die 15 im Betrieb befindlichen Kraftwerksblöcke eine Gesamtkapazität von etwas weniger als 14 Gigawatt.

Die Atomenergie wird in der Ex-Sowjetrepublik trotz des Atomunglücks von Tschernobyl 1986 nicht in Frage gestellt. Mehr als 50 Prozent des ukrainischen Strombedarfs wird von vier Atomkraftwerken gedeckt. Erst im Sommer wurde ein neues Atommüllzwischenlager in der radioaktiv verseuchten Sperrzone um Tschernobyl eingeweiht.

Grüne: Erneuerbare Energie „kostengünstiger und sicherer“
„Ich kann nicht nachvollziehen, wie man nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl weiter an der Atomkraft festhalten kann. Die Katastrophe hat gezeigt, dass die Ukraine nicht in der Lage ist, diese zu bewältigen“, reagierte der Anti-Atom-Sprecher der Grünen, Martin Litschauer. Bezeichnend sei auch der Umstand, dass über die Vertragssumme und die Baufristen nichts bekannt wurde, so Litschauer in einer Stellungnahme. Er hielt fest, dass es „wesentlich kostengünstiger und sicherer“ wäre, jetzt auf erneuerbare Energie zu setzen.

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