18.11.2021 06:00 |

Wien sucht Personal

Corona-Nachverfolgung: Jeder zweite Fall ungeklärt

In anderen Bundesländern ist das Contact Tracing de facto am Ende - und auch in Wien steigen die Probleme mit der Infektionskurve. Zu den Fakten: Nur jede zweite Erkrankung kann auf eine Quelle zurückverfolgt werden.

Eine Nummer, die dieser Tage wieder öfter denn je gewählt wird, ist 1450. Neben den steigenden Corona-Infektionszahlen schnellen gleichzeitig auch die Anrufe bei der Gesundheitshotline enorm in die Höhe. „Insgesamt habe ich es gestern sechs- bis siebenmal probiert. Nach 45 Minuten Warten hat dann endlich jemand abgehoben und mir weitergeholfen“, berichtet ein betroffener „Krone“-Leser. Waren es im Oktober noch um die 5000 Anrufe pro Tag, so liegt der Durchschnitt im November bereits bei 16.700 täglich. Die Zahl der Anrufe hat sich also mittlerweile verdreifacht.

Salzburg hat Verfolgung aufgegeben
Doch nicht nur die telefonische Beratung ist überlastet, auch die Nachverfolgung der Corona-Infektionsketten - das sogenannte Contact Tracing - wird angesichts der prekären Lage immer schwieriger. Österreichweit liegt die Quote bei äußerst beunruhigenden 35 Prozent. In Salzburg hat man die Kontaktverfolgung von positiv getesteten Personen bereits aufgegeben.

21.934 Anrufe

... wurden am Mittwoch alleine in der Bundeshauptstadt bei der Gesundheitshotline 1450 entgegengenommen. Die Anfragen reichen von der Symptomabklärung bis hin zu Fragen zum dritten Stich.

Sprachbarriere, mangelnde Kooperation und Co.
Um einen erfolgreichen Kampf gegen die Pandemie zu führen, sind laut Expertenmeinung jedoch mindestens 60 bis 70 Prozent nötig. So gut Wien aktuell im Bundesländervergleich dasteht - diese Quote ist für die Stadt derzeit trotzdem nicht erreichbar. Eine Besserung ist nicht in Sicht, wie es von der Gruppe für Sofortmaßnahmen der Stadt Wien heißt. Eines von vielen Problemen seien die Sprachbarrieren und die mangelnde Kooperation vieler positiv Getesteter mit der Behörde.

53 Prozent Aufklärungsquote

Aktuell kann nur noch jeder zweite Corona-Infektionsfall aufgeklärt werden. In Oberösterreich sind es sogar nur noch rund 20 Prozent.

Stadt sucht Personal
Das Personal wird den jeweiligen Wellen der Pandemie angepasst, heißt es seitens der Gruppe Sofortmaßnahmen. Das würde auch die Fluktuation erklären. Zu Beginn der Pandemie im März 2020 waren es lediglich zehn Mitarbeiter, am Höhepunkt der dritten Welle wurde auf bis zu 650 Personen aufgestockt, während es aktuell wieder 350 sind (siehe Grafik).

Dass das aktuell zu wenig ist, ist der Stadt schmerzhaft bewusst - daher sucht man wieder nach Mitarbeitern, wie es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) heißt. Bis dahin werden sich auch Meldungen wie diese nicht vermeiden lassen - dass abertausende Kontaktpersonen nicht oder viel zu spät informiert werden.

Christoph Engelmaier
Christoph Engelmaier
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