17.11.2021 11:02 |

Interview zum Femizid

„Frauenmorde werden so schnell nicht aufhören!“

Psychiaterin Sigrun Roßmanith skizziert ein veraltetes Frauenbild, das im Kopf vieler Täter eine Rolle spielt.

„Krone“: Eine Frau wurde mit einem Baseballschläger zu Tode geprügelt. Es ist dies der 25. Frauenmord in diesem Jahr in Österreich. Warum hört das nicht auf?
Psychiaterin Sigrun Roßmanith: Auch wenn wir uns das alle wünschen, das wird leider so schnell nicht aufhören. Es ist in den Köpfen vieler Männer eingeprägt, dass eine Frau zu funktionieren hat, wie es sich der Mann vorstellt. Vor allem bei Männern, die kulturelle Werte aus anderen Ländern verinnerlicht haben, ist das oft gang und gäbe. Bei uns ist es nicht mehr so extrem.

Was denken sich Männer mit so einem Frauenbild?
Solche Männer können eine selbstständige Partnerin nicht akzeptieren. Und Frauen sind körperlich einem Mann meist unterlegen und leichter Opfer.

Was geht in einem Täter vor, wenn er sein Opfer mit einem Baseballschläger zu Tode prügelt?
Gar nichts! Er sieht rot, nimmt das nächstbeste Tatwerkzeug und schlägt so lange zu, bis seine Wut verflogen ist und das Opfer ausradiert ist. Solche Taten haben in den allermeisten Fällen eine Vorgeschichte.

Was sagt das Tatwerkzeug bei dieser Bluttat aus?
Wenn er es mitgebracht und sich vorab bewaffnet hat, dürfte er etwas damit vorgehabt haben. Aber es ist auch möglich, dass er den Schläger zufällig erwischt hat, weil er in der Nähe war.

Dann wurde die Leiche vor der Bezirkshauptmannschaft abgelegt. Warum?
Es ist durchaus möglich, dass er, sollte es sich bei dem Ableger auch um den Täter handeln, etwas aufzeigen wollte. Vielleicht hatte die BH eine Entscheidung gegen ihn getroffen in der Vergangenheit. So nach dem Motto: „Seht her, das habt ihr nun davon!“ Das wäre eine Verlagerung von Auslösefaktoren für das eigene Fehlverhalten.

Spielt die Corona-Pandemie, die Österreich derzeit ja wieder fest im Würgegriff hat, bei solchen brutalen Taten auch mit rein?
Das kann durchaus sein, es liegen so viele spannungsgeladene Auseinandersetzungen in der Luft. Wut und Destruktion überwiegen in vielen Teilen der Gesellschaft.

Matthias Lassnig
Matthias Lassnig
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