31.10.2021 11:32 |

Corona war zu viel

Geflohener Häftling stellt sich nach 29 Jahren

Darko Desic (64) lebte nach seiner Flucht aus einem australischen Gefängnis im Jahr 1992 beinahe 30 Jahre lang unentdeckt in der Nähe der Metropole Sydney. Um nicht aufzufallen, vermied er jeglichen Kontakt mit Behörden und Ärzten. Er versorgte sich selbst, zog sich sogar selbst ein paar Zähne und verdiente seinen Lebensunterhalt als Handwerker. Bis die Corona-Pandemie kam.

Plötzlich stand der 64-Jährige ohne Arbeit und ohne Wohnung da und sah keinen anderen Ausweg mehr. Nicht schlecht staunten die Beamten in der Polizeistation von Dee Why, einem Vorort von Sydney, als der Obdachlose ihnen seine wahre Identität preisgab und ein Geständnis ablegte.

Angst vor Abschiebung
Der Grund für seine Flucht? Er hatte laut australischen Medien Angst, nach Verbüßung seiner zweijährigen Haftstrafe wegen Drogenhandels damals nach Jugoslawien abgeschoben zu werden. Wegen seines Ausbruchs bekamm Desic zu seiner restlichen Strafe weitere zwei Monate aufgebrummt.

Zudem könnte er, wenn er im Dezember 2022 entlassen wird, erneut vor einer Abschiebung stehen. Desic besitzt nämlich nicht die australische Staatsbürgerschaft. Sein Anwalt versucht dies zu verhindern. „Natürlich werden ich und eine Reihe anderer Leute für ihn kämpfen, denn ich denke, es ist einfach unaustralisch, jemanden zu treten, wenn er am Boden liegt“, sagte Paul McGirr gegenüber dem Sender ABC News.

Spendenaufruf für Häftling
McGirr hat auch zahlreiche Unterstützer aus jener Küstengemeinde, in der Desic sein neues Leben aufgebaut hat. Er sei dort sehr beliebt gewesen, heißt es. Einem Spendenaufruf auf der Plattform gofundme.com sind bereits Hunderte Menschen gefolgt. Die bisher gesammelte Summe beträgt knapp 33.000 US-Dollar (rund 28.000 Euro). McGirr kämpft nun um eine Begnadigung seines Mandanten, denn für den Anwalt ist die Strafe bereits mit dem Leben auf der Flucht und der permanenten Gefahr, entdeckt zu werden, abgesessen. Zudem habe sich Desic nichts zuschulden kommen lassen. Er sei ein besserer Mensch geworden.

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