30.10.2021 09:00 |

Den Körper spenden

Hunderte Steirer helfen auch über den Tod hinaus

Geht der Lebensweg zu Ende, nimmt man auf das Diesseits keinen Einfluss mehr. Würde man zumindest meinen. Denn unser Körper kann nach dem Tod für viele Ärzte und Heilberufe wichtig sein, um zu lernen und zu forschen. Jedes Jahr verschreiben sich Hunderte Steirer der Medizin. Und es werden immer mehr.

Der Waldfriedhof Tobelbad ist fast ein Friedhof wie jeder andere. Fast, denn auf den Grabsteinen in zwei Bereichen stehen keine Namen, nur Jahreszahlen. Dort ruhen Verstorbene aus der ganzen Steiermark und aus angrenzenden Bundesländern – und sie haben etwas gemeinsam: Sie alle äußerten noch vor ihrem Ableben bewusst den Wunsch, ihren Körper der Medizinischen Uni Graz zu spenden.

Wieso sie das machten? „Die meisten wollen vor dem Tod alles regeln, die Anatomie ist da ein verlässlicher Partner. Andere wollen der Medizin etwas zurückgeben, da sie ihnen auch geholfen hat, oder sie wollen nach dem Tod noch etwas Sinnvolles beitragen“, nennt Niels Hammer von der Med Uni die drei Hauptgründe.

Jüngere und Ältere bei Beratungsgesprächen
Meist sind es ältere Personen, die zum Beratungsgespräch kommen, „aber auch junge Menschen informieren sich.“ Der Experte weist dort darauf hin, die Familie an dem Wunsch teilhaben zu lassen, damit es nicht zu Überraschungen komme. Dennoch kann jemand trotz entsprechender Verfügung nicht als Körper-Spender geeignet sein: „Etwa wenn die Ursache des Todes unklar ist, oder wenn die Person an einer Infektion gestorben ist.“ Auch Covid-19 gehört dazu. Mit solchen Regeln schützt man die dort arbeitenden Mediziner.

Angefangen von einem halben Jahr bis mehr als drei Jahre wird der Leichnam an der Universität aufbewahrt und zum Forschen oder Ausbilden der Ärzte von morgen verwendet: um den ersten Kontakt mit inneren Organen, die Anatomie wortwörtlich greifbarer zu machen, um neue Implantate einzusetzen. Aktuell versuche man operative Zugänge zum Hüftgelenk zu erschließen - alles mit viel Respekt: „Wir behandeln unsere Spender so, als wären sie unsere eigenen Großeltern.“

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Wir behandeln unsere Spender so, als wären sie unsere eigenen Großeltern.

Niels Hammer von der Med Uni Graz

Der Körper wird danach eingeäschert und am Waldfriedhof Tobelbad bestattet. Die Kosten übernimmt die Uni. „Obwohl man die Angehörigen zusätzlich finanziell sehr entlastet, ist das für die meisten nur Nebensache“, betont Hammer. Für die kommenden Jahre plant man Neues: Schon im Dezember soll erstmals eine Gedenkfeier aller Spender abgehalten werden.

Dass die Zahl der Spender steigt, freut den Mediziner: „Wir empfinden unendliche Dankbarkeit für dieses Geschenk. Wenn wir diese selbstlosen Steirer nicht hätten, wäre eine solch qualitative Ausbildung und Arbeit bei uns nie möglich.“

Christina Koppelhuber
Christina Koppelhuber
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