WHO-Chef deutlich:

„Pandemie endet, wenn Welt sich dazu entscheidet“

Ausland
24.10.2021 21:57

Zum Auftakt des Weltgesundheitsgipfels in Berlin hat der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, gefordert, Corona-Impfstoff weltweit fairer zu verteilen. Regierungen und Hersteller müssten „viel mehr Impfdosen vor allem an die am stärksten gefährdeten Länder liefern“, sagte er. Man wisse von fast 50.000 registrierten Todesfällen pro Woche - damit sei die Pandemie noch lange nicht vorbei. „Die Pandemie wird enden, wenn die Welt sich entscheidet, sie zu beenden“, so Ghebreyesus (siehe Video oben).

Nur wenn mehr Impfstoff die Länder erreiche, die ihn dringend benötigten, könne die Corona-Pandemie unter Kontrolle gebracht werden, sagte Ghebreyesus weiter. „Der Schaden, den Covid-19 verursacht hat, macht deutlich, dass wir eine stabilere globale Gesundheitsarchitektur und politischen Willen auf höchster Ebene brauchen“. Er forderte einen „globalen Pandemie-Pakt“.

„Kein Land kann Pandemie isoliert beenden“
Er erinnerte an das WHO-Ziel, wonach bis Jahresende mindestens 40 Prozent der Menschen in jedem Land geimpft sein sollen. „Dieses Ziel ist erreichbar“, betonte Ghebreyesus. Er dankte Deutschland für seine Großzügigkeit, es sei aber mehr nötig. Länder, die bereits eine Impfquote von wenigstens 40 Prozent erreicht hätten - darunter alle G20-Staaten - sollten dem UN-Impfprogramm Covax oder der afrikanischen Initiative Avat bei Impfstofflieferungen den Vortritt lassen. „Kein Land kann die Pandemie isoliert vom Rest der Welt beenden“, mahnte Ghebreyesus.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus fordert einen „globalen Pandemie-Pakt“. (Bild: APA/AFP/POOL/Fabrice COFFRINI)
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus fordert einen „globalen Pandemie-Pakt“.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sprach sich ebenfalls für mehr internationale Zusammenarbeit aus: „Grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohungen müssen grenzüberschreitend bekämpft werden“, sagte von der Leyen in der Videoübertragung. „Wir brauchen einen weltweit gültigen Standard für Gesundheitsvorsorge.“

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: „Lassen Sie uns die Lektionen, die wir auf schmerzvolle Weise lernen mussten, nun nutzen.“ Laut Spahn ist Deutschland zweitgrößter Geber innerhalb der Anti-Pandemie-Kooperation ACT-A, zu der auch Covax gehört. Bisher habe die Bundesrepublik 2,2 Milliarden Euro beigesteuert, bis zum Jahresende werde man zudem mehr als 100 Millionen Dosen Impfstoff gespendet haben.

„Horten von Impfstoff bringt alle in Gefahr“
Auch UN-Generalsekretär António Guterres forderte erneut eine sinnvollere Verteilung von Corona-Impfstoffen: „Impfnationalismus und Horten von Impfstoff bringt uns alle in Gefahr“, sagte er in einer vorab aufgezeichneten Rede am Sonntagabend.

Themen des diesjährigen Weltgesundheitsgipfels sind unter anderem Impfgerechtigkeit und Gesundheit als globales Gut sowie künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung. Die Veranstaltung, bei der rund 6000 Experten aus hundert Nationen über die globale Gesundheitsversorgung diskutieren, dauert bis 26. Oktober und kann online verfolgt werden.

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