Roboterpuppe

„Lucy“ macht Ärzte fit für die Geburt

Diese lebensgroße und voll bewegliche Puppe wird zur Weiterbildung eines Kärntner Geburtshilfe-Teams ebenso wie für die Medizinausbildung genutzt. Zusätzlich gibt es eine Reanimationspuppe, an der man die Wiederbelebung von Säuglingen üben kann.

„Lucy“ ist 1,67 cm groß, hat dunkle, lange Haare und einen unübersehbaren Babybauch. Sie liegt im Kreißsaal und steht kurz vor der Entbindung. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch bei „Lucy“ handelt es sich nicht um eine Frau, sondern um eine Roboterpuppe - in ihrem Bauch steckt jede Menge Technik. Sie kommt seit kurzem an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit/Glan zum Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, Gynäkologen, Hebammen, Anästhesisten, dem Pflegepersonal und auch dem medizinischen Nachwuchs dabei zu helfen verschiedene Situationen und Komplikationen bei der Entbindung zu trainieren. Mit dem Ziel, für jeden möglichen Ernstfall bestens vorbereitet zu sein. Wie sieht „Lucys“ Innenleben aus? Die Geburtssimulationspuppe besteht aus einem Modell eines weiblichen Körpers, ihr Bauchraum kann abgedeckt werden. Darin befinden sich eine voll gelenkige Babypuppe mit „Nabelschnur“ und „Plazenta“ sowie austauschbare Einsätze, die eine unterschiedlich weite Öffnung des Muttermundes simulieren, was die verschiedenen Stadien während einer Geburt darstellt.

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Mit Hilfe der ,schwangeren‘ Geburtssimulationspuppe können Handgriffe, Techniken, aber auch komplexe Abläufe ohne Zeitdruck geschult werden.

Prim. Dr. Freydun Ronaghi, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe

Nur Übung macht den Meister
Warum regelmäßiges „Trockentraining“ für medizinisches Personal so wichtig ist, schildert Prim. Dr. Freydun Ronaghi, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe: „Der Geburtsverlauf ist nicht immer vorhersehbar. Es treten mitunter Komplikationen auf, die rasch richtiges Handeln erfordern. Mit Hilfe der schwangeren Simulationspuppe können wesentliche Handgriffe, Techniken, aber auch komplexe Abläufe im Rahmen einer Entbindungs-Situation ohne Zeitdruck und individuell wiederholbar geschult sowie gefestigt werden.“ „Notfälle im Kreißsaal, wie z. B. Blutungen nach der Geburt oder eine gefürchtete Schulterdystokie [Anmerkung: Im Verlauf der Entbindung bleibt eine Schulter des Babys im mütterlichen Becken hängen], kommen nur selten vor. Ohne Übung kann aber keine Routine entstehen. ,Lucy‘ schafft auch hier Abhilfe“, ergänzt Dr. Sanja Zuljevic, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Daher ist regelmäßige Fort- und Weiterbildung so wichtig. Abgesehen von Notfallsituationen können junge Assistenzärzte und Hebammen anhand der Simulationspuppe aber auch physiologische Geburtsabläufe üben sowie die Öffnung des Muttermundes und den Höhenstand des Kopfes feststellen. Zusätzlich zur fachlichen Qualifikation werden Kommunikation, Teamarbeit und Entscheidungsfindung verbessert.

Erste Hilfe bei Säuglingen
Die Wiederbelebung eines Neugeborenen zählt glücklicherweise zu den seltensten Ereignissen in der Geburtsmedizin. Nur etwa ein Prozent aller Säuglinge benötigt Reanimation. Doch wenn es nach der Entbindung zum Ernstfall kommt, geht es um Sekunden! In diesem Spital wird das richtige Vorgehen anhand einer hochmodernen Neugeborenen-Reanimationspuppe, die einem „echten“ Baby sehr ähnlich sieht, geschult. Die Teilnehmer können damit die Beatmung üben (der Brustkorb hebt und senkt sich). Die Herzfrequenz sowie Schnelligkeit und Intensität der Herz-Lungen-Wiederbelebung bzw. Herz-Druck-Massage liest man auf einem Messgerät ab. Sogar das Legen eines Tubus (Einführen eines Schlauches in die Luftröhre zur künstlichen Beatmung) oder einer Infusion an der Babyhand oder am -bein kann an der Puppe geübt werden.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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Sonntag, 17. Oktober 2021
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