04.10.2021 19:20 |

Ausstellung eröffnet

„Niemals wieder!“ muss Lehre aus Auschwitz sein

Auschwitz. Millionen Menschen wurden hier gequält und ermordet. In Auschwitz fand der letzte Schritt der Vernichtung unter den Nationalsozialisten statt. Österreicher waren Täter und Opfer. Das vermittelt die neue Österreich-Ausstellung im ehemaligen Konzentrationslager, die am Montag von der Staatsspitze eröffnet wurde.

„An der Bahnrampe von Auschwitz stehend, wird einem bewusst, wohin diese Gleise zurückführen. In unsere Städte, unsere Dörfer, unsere Grätzel. Dort, wo das Töten begann.“ Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka begann seine Rede anlässlich der Neueröffnung der Österreich-Ausstellung in Auschwitz mit Erinnerungen eines Freundes.

„Entfernung“ in neuer Ausstellung
Ja, Österreich ist nicht weit weg. Nicht weit weg von jenem Ort, der Symbol für die Nazi-Gräuel und den Holocaust wurde, mit insgesamt mehr als sechs Millionen ermordeten Menschen. „Entfernung“, so der Titel der neuen, historisch aufgearbeiteten Ausstellung Österreichs, die nach zehn Jahren Arbeit eröffnet wurde.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen mahnte in seiner Rede, dass diese Ausstellung „die Erinnerung an das Schicksal der österreichischen Opfer und den Widerstand österreichischer Häftlinge wachhalten soll und zugleich die Involvierung von Menschen unseres Landes als Täter und Täterinnen darstellt“. Entfernung - aus der Heimat und dem Leben. Opfer und Täter. Das waren die Österreicherinnen und Österreicher. In Auschwitz. Und zahlreichen anderen Konzentrationslagern.

Simpel und doch ausdrucksstark
Das vermittelt auch die neue Ausstellung. Auf 500 Quadratmetern. Ein Raum. Entfernung steht zum einen für die räumliche Entfernung. Aus dem Alltag entfernt, nach Auschwitz deportiert. Und dort aus dem Leben entfernt. Ermordet. „Alles, was vor Auschwitz passiert ist, wurde ausgelöscht. Es zählte nur mehr das Hier und Jetzt“, sagt Kurator Hannes Sulzenbacher. Weswegen in der Ausstellung nur Gegenstände aus Auschwitz gezeigt werden. Alles andere auf Monitoren.

Etwa die Reisekostenaufstellung eines Wiener Schutzbeamten, der einen Transport nach Auschwitz beaufsichtigte. Dazu das Poesie-Buch eines Mädchens namens Elfriede Balsam. Das in diesem Transport war und in Auschwitz umgebracht wurde. Simpel. Aber ausdrucksstark.

Oder die Spesenrechnung einer Salzburger Fürsorgerin, die ein vierjähriges Roma-Mädchen namens Ida Petermann persönlich nach Auschwitz gebracht hat. Als sie wieder auf dem Rückweg ist, ist die kleine Ida Petermann bereits tot. Österreicher als Opfer, aber ebenso als Täter.

Von der alten Ausstellung - die noch die Opferthese vertrat - sind noch die Glasfenster von Heinrich Sussmann übrig geblieben. Sussmann verarbeitete das Erlebte in seiner Kunst. Auch den Tod seines Sohnes: Seine Frau kam schwanger nach Auschwitz. Ihr Neugeborenes wurde von SS-Arzt Josef Mengele ins offene Feuer geworfen.

„Auschwitz ist nicht vom Himmel gefallen“, sagt Van der Bellen. Antisemitismus und Rassismus waren Teil unserer Gesellschaft. An der Bahnrampe von Auschwitz-Birkenau stehend, wird einem bewusst, wohin diese Gleise führen. In unsere Städte, Dörfer und Grätzel. Und man denkt unweigerlich: „Niemals wieder!“

Clemens Zavarsky
Clemens Zavarsky
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