02.10.2021 06:00 |

Details beachten!

Was das Klimaticket verspricht, kann und kostet

Ab 26. Oktober kann man mit dem neuen Klimaticket in ganz Österreich alle Öffis (Bahn, Straßenbahn, U-Bahn und Busse) benutzen. Kaufen lässt es sich seit Freitag. Es gibt aber Details zu beachten.

Um drei Euro pro Tag ein Jahr lang mit sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln durch ganz Österreich fahren können – das ist die Idee des Klimatickets. Es ist das Herzensprojekt der grünen Umweltministerin Leonore Gewessler, die sich am Freitag in Graz selbst ihr erstes Ticket kaufte. Die „Krone“ klärt Fragen dazu:

  • Der Preis: Regulär kostet es 1095 Euro. Bis 31. Oktober erhalten Frühbucher das Ticket vergünstigt um 949 Euro. Jugendliche und junge Erwachsene unter 26 Jahren zahlen nur 821 bzw. - im Oktober - 699 Euro, ebenso Senioren ab 64 (ab Jänner 2022 ab 65 Jahren) sowie Menschen mit Behinderung. Für jeweils 110 Euro mehr erhält man die Familien-Karte. Dann dürfen bis zu vier Kinder ab sechs und unter 15 Jahren mitreisen, ein Familiennachweis ist nicht erforderlich.
  • Die Bezahlung: Kaufen kann man das Ticket online auf shop.klimaticket.at oder an den Schaltern der teilnehmenden Partner wie ÖBB, WestBahn, regionalen Verkehrsverbünden etc. Statt den Gesamtbetrag auf einmal zu bezahlen, kann man das auch in Monatsraten tun, wobei man zwei Raten im Voraus zahlen muss.
  • Bestehende Jahreskarten: Wer sich ein Klimaticket kauft, aber bereits eine Jahreskarte für eine Region oder Strecke besitzt, kann diese bei seinem jeweiligen Verkehrsverbund kostenlos kündigen und erhält den Betrag für die restliche Laufzeit aliquot zurück. Bei vielen Strecken ist die Jahreskarte deutlich teurer als das neue Ticket (z.B. St. Pölten –Wien, s. Tabelle unten). Der Verkehrsverbund Ostregion stellt seine Kunden in solchen Fällen automatisch auf das Klimaticket um und überweist Geld retour. Besitzer von ÖsterreichCards der ÖBB oder Jahreskarten der Westbahn können ebenfalls umsteigen und erhalten gegebenenfalls den Mehrbetrag zurück. ÖBB-Vorteilskarten lassen sich nicht auf das Klimaticket anrechnen!
  • Nutzung: Mit dem Klimaticket fährt man bei den ÖBB in der 2. Klasse. Wer 1. Klasse fahren will, müsste 1355 Euro Aufpreis bezahlen. Jugendliche, Senioren und Menschen mit Behinderung würden 1030 Euro dazuzahlen. Bei der Westbahn können Klimaticket-Besitzer sich in die mittlere Comfort Class – mit Tisch und mehr Beinfreiheit – setzen.
  • Für Hund oder Fahrrad gibt es keine generelle kostenlose Mitnahmemöglichkeit. Das kann aber je nach Verkehrsverbund variieren.

Komplizierter Umstieg
Wer von der Wiener-Linien-Jahreskarte auf das Klimaticket umsteigen möchte, muss vor allem die Reihenfolge beachten und erst das Klimaticket kaufen, bevor er die Jahreskarte kündigt. Denn die normalerweise fällige Kündigungsgebühr entfällt nur bei Vorlage der Rechnung für das Klimaticket.

Nicht möglich ist es, die Jahreskarte „aufzuwerten“: Sie muss in jedem Fall gekündigt werden, erklären die Wiener Linien. Als Grund nennt das Unternehmen die kurzfristige Umsetzung des Klimatickets: Man wolle zwar „ein einfaches Wechseln im Sinne der Kunden ermöglichen“. Die aktuelle Vertriebsstruktur des Projekts lasse das aber nicht zu. In Zukunft soll dieser Umstand behoben werden.


Kritik am Ticket für die Wien-Pendler
Vor der Wahl stehen Bewohner des Wiener Umlandes: Entweder bleiben sie bei ihren alten Zeitkarten, oder sie lösen für die wenigen blau-gelben Kilometer auf ihrem Weg in die Bundeshauptstadt ein Ticket für gleich drei Bundesländer. Die NEOS sprechen jedenfalls von einer vergebenen Chance: Derzeit gebe es für Umlandbewohner schlicht zu wenig Anreiz, um künftig auf das Auto zu verzichten, heißt es.

In dieser Rechnung wurde der Verdrängungseffekt durch das stadtweite Parkpickerl, das Wien im März 2022 umsetzen will, aber noch nicht berücksichtigt. Verbote waren noch nie ein guter Ansporn. Ob der Umstieg klappt, wird aber ohnedies erst die Zeit zeigen. Die Pendler haben es in der Hand.

Vergil Siegl
Vergil Siegl
Thomas Lauber
Thomas Lauber
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