26.09.2021 11:53 |

Gewinner und Verlierer

„Krone“-Ausblick: So geht der Superwahltag aus

Die Wahlen in Oberösterreich und Graz sind die ersten bedeutenden seit der Wien-Wahl 2020 - und auch wenn die Uhren in den Regionen anders ticken, so gelten beide als Stimmungsbarometer in einer Zeit der Vertrauenskrise. Die „Krone“ schätzt ein, was der Wahltag bringen wird. Spoiler: Dass in Österreich kein Stein auf dem anderen bleibt, ist unwahrscheinlich - bei unseren deutschen Nachbarn sieht es aber anders aus.

Die deutsche Wahl bedeutet eine Zäsur. Es ist der Anfang vom Ende der Ära Angela Merkel, die 16 Jahre andauerte, aber erst mit der Bildung einer neuen Regierung endgültig zu Ende sein wird. Es ist eine Wahl in Zeiten der Unsicherheit. Die Menschen wissen, dass große Veränderungen auf sie zukommen. Klimawandel, Digitalisierung, innere Sicherheit, Pandemie. Dazu kommt die politische Veränderung.

Ende der Zweier-Koalition in Deutschland
Es wird das Ende der Zweier-Koalition in Deutschland sein. Unsicherheit ist da nur zu menschlich. Und keiner der Spitzenkandidaten konnte die deutschen Wähler bislang überzeugen, der oder die Richtige zu sein, um Deutschland durch diese unsichere Zukunft zu steuern. Ein Kölner Institut hat festgestellt, dass nur zehn Prozent der Wähler schon überzeugt sind, wer heute gewinnen wird. Bei Merkels letztem Antreten 2017 waren es viermal so viele. Durch die Pandemie hat sich zudem der Wahrnehmungsradius verschoben. Weg vom großen Ganzen, zurück zur engeren Umgebung.

Das heißt nicht, dass die besagten Jahrhundertaufgaben nicht im Bewusstsein der Wählerinnen und Wähler sind. Nein, Corona hat ihnen nur das Gefühl vermittelt, dass die großen Fragen schlicht nicht bewältigbar sind. Und noch mehr verdeutlicht sich das, wenn die Politik Schwäche zeigt. Umfragen untermauern diese Schwäche, indem die Mehrheit der Deutschen eigentlich keinem der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten die Kanzlerschaft zutraut. Deswegen ist der Ausgang heute ungewiss. Eine seriöse Prognose nicht machbar. Und das macht die Menschen unsicher.

Graz: Nagl steht als Sieger fest - und könnte dennoch verlieren
Die steirische Landeshauptstadt steht vor großen Herausforderungen: der Öffi-Ausbau, der starke Zuzug und die daraus resultierende rasante Verbauung der Stadt, die Anpassung an den Klimawandel. Und heute wird gewählt. Obwohl Langzeitbürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) schon als Wahlsieger feststeht, wird es spannend. Mit wem wird er künftig koalieren? Gelingt es den Linksparteien gar, ihn zu stürzen?

Eine linke Mehrheit scheint nicht ausgeschlossen. Die Kommunisten sind überhaupt ein Grazer Phänomen - sie liegen in den Umfragen wieder bei 20 Prozent. Die Grünen und die FPÖ liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die SPÖ, die in der steirischen Landeshauptstadt einst die „Absolute“ hatte und die meiste Zeit den Bürgermeister stellte, wahlkämpft ums Überleben. Und die NEOS könnten zum Zünglein an der Waage werden - wenn sich eine Zweierkoalition nicht ausgeht.

Volkspartei in Oberösterreich vor rot-grüner Weggabelung
Wenn heute 1,1 Millionen Oberösterreicher aufgerufen sind, ihren Landtag neu zu wählen - so sie es nicht schon via Wahlkarte getan haben -, ist dies nicht nur innerhalb der Landesgrenzen von politischer Bedeutung. Und bei dieser ersten großen Wahl im heurigen Jahr, die nach politisch heiklen Krisenmonaten ein veritabler Stimmungstest ist, hat die ÖVP die weitaus beste Ausgangsposition. Ihr schwaches Ergebnis aus 2015 dürfte sie laut Umfragen auf rund 40 Prozent ausbauen, damit ginge Landeshauptmann Thomas Stelzer als klarer Wahlsieger hervor.

Dahinter, so die Umfragen, folgen bei etwa 20 Prozent FPÖ und SPÖ - womit die Roten 20 Prozentpunkte hinter ihrem Ergebnis des Jahres 2003 lägen. Die FPÖ erwartet zwar ein schwächeres Ergebnis als bei der letzten Wahl auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015, ein Absturz wie bei anderen Wahlen nach Ibiza droht allerdings nicht. Die Grünen kämen indes wohl auf rund zwölf Prozent, die NEOS bangen ebenso wie eine Impfgegner-Liste um den Einzug in den Landtag.

Rechnerisch dürfte sich sowohl Schwarz-Blau als auch Schwarz-Grün ausgehen - doch selbst Türkise im Bund, etwa der aus Oberösterreich stammende Klubchef August Wöginger, lobten in den vergangenen Monaten demonstrativ die letzte verbliebene Koalition zwischen ÖVP und FPÖ auf höherer politischer Ebene.

Der Wahltag auf krone.at

  • Grazer Gemeinderatswahl:
    In der steirischen Landeshauptstadt schließen die Wahllokale um 16 Uhr. Gegen 17 Uhr ist die erste Hochrechnung angekündigt.
  • Superwahltag in Oberösterreich:
    In Oberösterreich, wo Landtags-, Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen stattfinden, schließen die letzten Wahllokale um 16 Uhr, die erste Hochrechnung wird hier bereits kurz danach erwartet.
  • Bundestagswahl in Deutschland:
    In Deutschland ist um 18 Uhr Wahlschluss - kurz danach dürfte es erste Prognosen geben.
  • LIVE auf krone.tv:
    Ab 14.30 Uhr melden sich Klaus Herrmann („Krone“) und Corinna Milborn (Puls 4) auf krone.tv live aus der Wahlzentrale im Linzer Ursulinenhof.
  • LIVETICKER auf krone.at:
    Ab 15 Uhr finden Sie auf krone.at separate Liveticker zu jeder der drei Wahlen.
  • Alle Details aus den Regionen:
    Analysen, Hintergrundinfos und Reaktionen finden Sie laufend auf krone.at/oberoesterreich, krone.at/steiermark, krone.at/welt, krone.at/politik sowie auf unseren Social-Media-Seiten.
Clemens Zavarsky
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Ernst Grabenwarter
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Christian Ortner
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