09.09.2021 18:11 |

Wegen Wiens Sonderweg

Neue Regeln ab 15. - doch es bleibt uneinheitlich

Der am Mittwoch verkündete Stufenplan soll künftig regeln, welche Corona-Maßnahmen wann gelten - und das an und für sich bundesweit. Doch das bedeutet nicht, dass die Regeln in den kommenden Wochen im gesamten Land einheitlich sein werden. Denn Wien hat zuletzt eine Reihe von Verschärfungen verordnet, die zum Teil nun parallel zum Stufenkonzept zur Anwendung kommen. Gleichzeitig gibt es auch Überschneidungen.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hatte bereits mit dem Oster-Lockdown einen restriktiveren Kurs in Sachen Covid-Prävention als der Rest Österreichs eingeschlagen und im Sommer beibehalten: Zu Ferienbeginn führte er die Testpflicht für Kinder ab sechs Jahren ein und seit dem 1. September sind Corona-Tests kürzer gültig als - noch - in den anderen Bundesländern.

Das ist möglich, weil die Länder Verschärfungen vornehmen können. Nun aber, konkret ab 15. September und abhängig von der Auslastung der Intensivstationen, zieht mit dem Stufenplan auch der Rest des Landes nach - Unterschiede bleiben trotzdem. Ein Überblick:

  • Konkret besteht in Wien im gesamten Handel derzeit eine Verpflichtung zum Tragen einer Maske, also mindestens eines Mund-Nasen-Schutzes. Der Bund hat bereits angekündigt, dass ab 15. September der erste relevante Schwellenwert - eine Belegung von 200 Betten auf den Intensivstationen - erreicht sein dürfte. Damit tritt die erste Stufe des Plans in Kraft. Das bedeutet, dass damit auch in Wien an Orten, wo bisher gemäß Bundesverordnung ein einfacher Schutz ausreichte, eine FFP2-Maske getragen werden muss. Das betrifft Öffis oder den Lebensmittelhandel.
  • In anderen Geschäften herrscht für ungeimpfte Personen dann ebenfalls FFP2-Pflicht. Anders als im Rest des Landes - falls keine regionalen Verschärfungen verordnet werden - muss gemäß Wiener Vorschrift aber auch ein geimpfter Kunde weiter eine Maske verwenden. Hier reicht die einfache MNS-Variante aber noch immer aus.
  • Auch die Gültigkeit der Corona-Tests als 3G-Nachweis wurde in Wien bereits verkürzt. Ein Antigen-Schnelltest, der in einer Teststraße oder in einer Apotheke durchgeführt wird, ist nur mehr 24 statt bisher 48 Stunden gültig. Bei PCR-Tests wurde die Frist von 72 auf 48 Stunden reduziert. Nur bei Kindern unter zwölf Jahren blieben bei den beiden Varianten die bisherigen Zeitspannen bestehen.
  • Ab Mitte September wird die Gültigkeitsdauer der Antigen-Tests auf den Wiener Wert reduziert, womit sich die Hauptstädter nicht umstellen müssen. Ein Unterschied bleibt jedoch, da PCR-Tests in den andern Bundesländern länger gültig bleiben als in der Hauptstadt, da bundesweit die Frist weiter 72 Stunden beträgt.
  • Als Konsequenz der kürzeren Gültigkeitsdauer wurde in Wien auch in den Schulen das Testregime geändert. Es wird nicht nur häufiger getestet, sondern es kommen auch PCR-Untersuchungen zum Einsatz - wobei in der Volksschule nicht gegurgelt, sondern gespült wird. Die Gültigkeitsdauer für die Tests für den schulischen und außerschulischen Bereich fällt bei Kindern ab zwölf Jahren trotzdem auseinander, da zumindest in der Schule die längeren Fristen noch gelten.
  • Die Wohnzimmer-Schnelltests sind in Wien bereits jetzt als Nachweis für Friseur oder Gastronomie nicht mehr erlaubt. Bis das bundesweit so gehandhabt wird und dieser Unterschied damit Geschichte ist, dürfte es noch dauern. Denn das ist erst ab der zweiten Stufe (Belegung von 15 Prozent der Intensivbetten) vorgesehen.

Nehammer: „Kontrolldruck mit Augenmaß erhöhen“
Man wolle durch die neuen Regeln „Ungeimpfte schützen“, Maßnahmen für Geimpfte seien kaum nötig, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch erklärt hatte. Besonders heikle Bereiche, wo viele Menschen aufeinandertreffen, sollen sicherer gestaltet werden, ergänzte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). Günther Platter (ÖVP) sprach davon, dass man besonders auf „harte Kontrolle“ setzen wolle. Die will Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) liefern: Man werden „den Kontrolldruck erhöhen“, aber „mit Augenmaß“, sagte er am Donnerstag. Er hoffe vor allem darauf, dass die Bevölkerung bei den Schutzmaßnahmen mitmache.

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