Nach den langen Schließungen dürstet die Branche nach Umsatz. Dazu kommen hohe Rohstoffpreise und Container-Knappheit.
Nach einem Minus 2020 von 50 Prozent in der Gastronomie und 170 Millionen weniger verkauften Krügerln in den Wirtshäusern sind die über 300 österreichischen Bierhersteller (siehe Grafik unten) schaumgebremst. „Die monatelangen Schließungen haben dazu geführt, dass die Ottakringer Brauerei 2020 einen Umsatzrückgang von 20 Prozent verzeichnen musste. Dadurch, dass die Gastronomie erst allmählich in Fahrt kommt und wir weniger Touristen haben, fehlen auch in diesem Jahr noch Umsätze“, so Harald Mayer, seit Juli neuer Ottakringer-Chef.
„Schließungen sind nicht mehr aufzuholen“
Vor allem Betriebe mit hohem Gastronomieanteil litten unter noch höheren Rückschlägen. Trumer-Inhaber Josef Sigl: „Wir haben einen Gastro-Anteil von über 80 Prozent. Die Monate der Schließungen sind nicht mehr aufzuholen.“ Derzeit könne man zwar die volle Kapazität nutzen, ohne staatliche Hilfe sei es heuer aber nicht zu stemmen.
Auch Thomas Gerbl, Geschäftsführer der ebenfalls in Salzburg beheimateten Stiegl Brauerei, hatte mit starken Rückgängen zu kämpfen. „Gibt es keinen weiteren Lockdown im Winter, wird das heurige Jahr ähnlich wie das letzte sein“, erklärt er.
Neben den Absatzproblemen ist die Branche auch mit Herausforderungen in der Beschaffung konfrontiert. Die Alupreise sind hoch, Container sehr knapp. „Es ist ein wöchentlicher Kampf um Kapazitäten“, beschreibt es Brauunion-Chef Klaus Schörghofer, zu dem Marken wie Gösser, Zipfer und Wieselburger gehören. Durch die Knappheit an Dosen sind einige auf Flaschen umgestiegen, das hat im volatilen Markt auch dort zu Mängeln geführt, weiß Frank van der Heijden von der Privatbrauerei Egger.
Suche nach Alternativen
Aufgrund der hohen Unsicherheit haben sich die Planungen der Wirte geändert. „Wir müssen mit unseren Gastronomiepartnern kurzfristiger planen, es wird öfter weniger bestellt“, so Thomas Gerbl von Stiegl. Dazu kommt das eine oder andere „abgelaufene“ Fass. Die Brauereien haben aber versucht, das Beste daraus zu machen. Trumer Bier wurde zu Essig verarbeitet, Hirter Bier für die Maische der Edelbrände verwertet.
Wie versuchen die Brauereien, die Kunden trotz aller Corona-Probleme für ihre schäumenden Getränke zu begeistern? „Alkoholfreie und alkoholreduzierte Biere bergen ein großes Wachstumspotenzial“, so Schörghofer. Auch Stiegl und Hirter haben dazu neue Produkte herausgebracht. Bei Ottakringer bewährte sich in der Pandemie der Online-Shop, kreativ ist die App „Cheers“, mit der Nutzer Freunde digital auf ein Krügerl einladen können.
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