Nichts dazugelernt?

Forscher: „Fehler vom Herbst nicht wiederholen“

Österreich
03.08.2021 06:43

Man habe im Umgang mit der Corona-Pandemie die notwendigen Lehren nicht gezogen, mahnen nun 34 international renommierte Wissenschaftler in einer Studie. Derzeit werde der Nährboden für größere Corona-Wellen im Herbst bereitet. Die Impfung alleine könne jedenfalls die Krise nicht beenden, wenn gleichzeitig die sonstigen Eindämmungsstrategien zurückgefahren werden und es europaweit keine abgestimmte Vorgangsweise gibt, so die Warnung.

Aus Österreich finden sich mit Peter Klimek vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Medizinischen Universität Wien, Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS), der Politikwissenschaftlerin Barbara Prainsack von der Universität Wien sowie der Epidemiologin Eva Schernhammer von der MedUni Wien und der Harvard Medical School (USA) namhafte Vertreter unter den Autoren.

Maßnahmen „weiterhin notwendig“
Für Klimek ist klar, dass wir uns mit Impfungen bis zum Erreichen einer mittlerweile vielfach als unrealistisch eingestuften Herdenimmunität alleine die Pandemie leider nicht vom Hals schaffen können. Es brauche aller Voraussicht nach auch weiter Maßnahmen zur Eindämmung, wie gute Risikokommunikation sowie Testen, die Nachverfolgung von Infektionsketten und eine entsprechende Isolation von Infizierten.

Man gehe nicht davon aus, „dass wir jeden Winter Lockdowns brauchen werden“, betonte Klimek, die Pandemie werde uns jedoch weiter vor Herausforderungen stellen. Einer der einhelligen Punkte unter den an der Arbeit beteiligten Experten war, „dass wir es nicht mehr schaffen werden, das Virus auszulöschen“. Daher brauche es möglichst niedrige Fallzahlen und europaweit eine klare Strategie.

Wirkung von Impfpflicht „umstritten“
Die Impfung spielt die zentrale Rolle in der Überlegung der Wissenschaftler. Nur so gelinge es, die Risikogruppen und das Gesundheitssystem zu schützen. Über eine allgemeine Impfpflicht werde in Europa künftig sicher diskutiert, wenn die laut Klimek zu erwartende Welle in nicht geimpften Bevölkerungsgruppen Richtung Herbst ansteigt.

Die Wirksamkeit einer Impfpflicht auch über bestimmte Berufsgruppen hinaus bleibe aber „umstritten, da die Durchimpfung von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren abhängt“, heißt es in dem Papier.

Privilegien für Geimpfte?
Bei der Diskussion über die laut den Experten voraussichtlich notwendige Wiedereinführung und Aufrechterhaltung von Eindämmungsmaßnahmen müsse auch darüber nachgedacht werden, wie unterschiedlich Geimpfte und Nicht-Geimpfte behandelt werden. Gehen die Fallzahlen - wie schon aktuell beobachtet - weiter nach oben, werde es die Aufgabe der Regierungen sein, die Fehler des vergangenen Herbsts und Winters nicht zu wiederholen.

Impfstoffe reduzieren „wahrscheinlich auch dann die Übertragbarkeit, wenn sich Menschen trotz voriger Impfung anstecken", so die Forscher. (Bild: AFP)
Impfstoffe reduzieren „wahrscheinlich auch dann die Übertragbarkeit, wenn sich Menschen trotz voriger Impfung anstecken", so die Forscher.

Die Erfahrung lehre, „dass die Wiedereinführung der notwendigen Gesundheitsmaßnahmen zu spät kommen könnte, um eine weitere Welle im Herbst erfolgreich zu verhindern“, so die Warnung. Für Klimek gilt „leider nach wie vor, dass wir auf europäischer Ebene relativ unkoordiniert vorgehen. Da haben wir die Lehren nicht gezogen.“

Keine vorzeitige Entwarnung
Klimek warnt zudem vor einer „Täglich grüßt das Murmeltier“-Situation mit der Quasi-Absage der Pandemie im Sommer bei gleichzeitiger Aufbereitung des Nährbodens für künftige Wellen. Ob hier dazugelernt wurde, werde „der ultimative Test in den kommenden Monaten“ zeigen.

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