Biologen warnen

Rasenmähroboter sind die „Todesengel“ der Gärten

Oberösterreich
14.06.2021 16:00

Biologen warnen vor dieser Seuche in vielen Gärten: Wo moderne Mäher im Einsatz sind, haben die Insekten keine Chance zu überleben.

Sie machen aus jedem Rasen eine grüne Todeszone. Rasenmäherroboter sind sehr beliebt, doch ihr Einsatz treibt den Biologen die Zornesfalten auf die Stirn. „Viele Gartenbesitzer sind, brutal gesagt, faule Hunde. Die wollen möglichst keinen Finger rühren – und die Tiere müssen es büßen. Der Garten besteht nur noch aus Schottergabionen, pflegeleichten Pflanzen wie japanischen Gräsern, Steinen und Kies“, ärgert sich Fritz Gusenleitner, der langjährige frühere Leiter des Biologie-Zentrums des Landes in Linz: „In der Landwirtschaft wird teils sechsmal pro Jahr gemäht. Die meisten Blüten kommen gar nicht mehr zum Blühen. Die Gärten wären die logischen Rückzugsgebiete für die Insekten, wo sie noch einen intakten Lebensraum vorfinden. Stattdessen mäht dort der Roboter alles kurz und klein.“

Geradezu zynisch
Als geradezu zynisch empfindet es Gusenleitner, wenn in den abgefrästen Gärten Insektenhotels aufgestellt werden: „Das ist doch der blanke Hohn. Die Insekten bekommen zwar Logis, aber keine Kost. Wo nichts blüht, können sie auch keinen Nektar und keine Pollen sammeln. Es ist ein krankes Entwicklungsbild, das die Menschheit mit solchen Gärten präsentiert.“

Jegliche Artenvielfalt bleibt auf der Strecke 
Ähnlich streng nimmt Friedrich Schwarz, Direktor des Botanischen Gartens in Linz, die gar nicht so intelligenten Faulen unter den Gartenbesitzern ins Gebet: „Der Mähroboter ist der Worst Case der Rasenpflege. Die Artenvielfalt in einem derart häufig gemähten Rasen ist gering. Wenn zu tief gemäht wird, fehlen auch die Blätter für die Fotosynthese.“ Letztlich sei es ein Teufelskreis: Wenn ständig gemäht werde, müsse man düngen, sonst drohen braune Flecken. „Egal, wie man es betrachtet, diese Art von Gartengestaltung ist ein ökologisches Desaster. Eine natürliche Wiese ist ein eingespieltes, irrsinnig komplexes Öko-System“.

Was ist die Alternative? 
Schwarz sagt: „Es ist immer die Frage, wie man den Rasen nützt. Ich lasse das Gras lang stehen, nur den Teil, den ich ständig benutze, wie zum Beispiel fürs Grillen, mähe ich kurz genug.“

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