11.06.2021 05:28 |

Gewaltschutzzentrum

Erschreckende Bilanz: Immer mehr Gewalt an Frauen

14 Frauen wurden heuer in Österreich bereits ermordet. Und auch wenn Kärnten davon nicht betroffen war, zeigt die Statistik des Gewaltschutzzentrums deutlich, in welche Richtung es auch hier geht: Kommt es in Paarbeziehungen zu Gewalt, sind 93 Prozent der Opfer weiblich. Insgesamt gab es im vergangenen Coronajahr daher 696 Betretungsverbote, 601 Strafanzeigen und 175 Prozesse.

1147 Kärntner suchten im Vorjahr Hilfe beim Gewaltschutzzentrum, der größten Opferschutzeinrichtung des Landes. „Die Zahl der Beratungen sind durch die Lockdowns zwar gesunken - nicht aber die Gewalttaten“, sagt Geschäftsführerin Roswitha Bucher. Vor allem in Paarbeziehungen wurde es durch Corona im wahrsten Sinne des Wortes eng: „Die belastende Situation hat vieles eskalieren lassen; Opfer von häuslicher Gewalt hatten es aber noch schwerer als sonst.“ 696 Betretungsverbote mussten erwirkt werden, 150 allein in Klagenfurt, 109 in Villach.

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Räumliche Enge, Sorge um den Arbeitsplatz, das Zusperren der Schulen und die Belastung durch das Homeschooling hat auch die Gefahr von häuslicher Gewalt stark erhöht.

Roswitha Bucher, Gewaltschutzzentrum

„Unser Ansatz ist es, dass nicht das Opfer Konsequenzen tragen muss, sondern der Täter“, erklärt Bucher. Und so schaut der durchschnittliche Gewalttäter aus: Er ist eindeutig männlich - von 1041 Tätern sind 941 Männer. Kommt es in Partnerschaften zu Problemen, ist der Anteil noch höher: Hier sind gar 93 Prozent der Täter männlich! Großteils geht es um schwere Körperverletzung, Drohung, Stalking, aber auch Vergewaltigung und fortgesetzte Gewaltausübung. In 175 Fällen kam es im Vorjahr zu Strafverfahren, bei denen die elf Mitarbeiterinnen des Gewaltschutzzentrums die Opfer am Gericht unterstützten.

Opfer meist in Beziehung zum Täter
Kritik von Richtern, dass gerade weibliche Opfer oft belastende Aussagen verweigern oder zurückziehen, möchte Bucher so nicht stehen lassen: „Das sagt sich als Außenstehender immer leicht. Aber man muss bedenken, dass die Opfer meist in Beziehung zum Täter stehen - er ist der, in den sie sich verliebt haben, mit dem sie vielleicht Kinder haben oder auch in wirtschaftlicher Abhängigkeit stehen. Viele versprechen auch, sich zu bessern. Oder sie drohen.“

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
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