… aus jeglicher Regierungsbeteiligung, denn die rückt mit der Machtübernahme des streitbaren Klubobmanns in weite Ferne. Über das Für und Wider eines Herbert Kickl an der Spitze der Blauen.
Man muss Herbert Kickl ja zugutehalten, dass er ganz genau weiß, wie man die Mäuse zum Speck lockt. Rhetorisch ist er ein Ausnahmetalent, das mit seinen treffenden Schenkelklopfern selbst dem Linkslinkesten zuweilen ein Schmunzeln abringt. Zudem ist er ein sattelfester Demagoge, der genau weiß, wie er die Unzufriedenen und Abgehängten in unserer Gesellschaft bedient. Das ist eine Kombination, die zumindest auf den ersten Blick für die Partei eigentlich ganz erfolgsversprechend scheint. Wäre da nicht die Sache mit der Regierungsfähigkeit.
Keiner will Kickl
Denn obwohl Kickls Aufstieg zum Parteichef am Papier logisch klingt, hat er einen Haken: Keiner will ihn, alle restlichen im Parlament vertretenen Parteien lehnen eine Regierungszusammenarbeit mit einer Hardliner-FPÖ unter seiner Führung ab und selbst der ehemalige Koalitionspartner will an Kickl nicht mehr anstreifen. Das zeigt: Seine größten Stärken sind zugleich seine größten Schwächen. Und hier wird es schwierig.
FPÖ ist auf Oppositionsbank verdammt
Das bedeutet nämlich, dass die FPÖ für die nächste Zeit ihr Dasein auf der Oppositionsbank fristen muss. Das ist insofern absurd, als doch der Stein des Anstoßes für die plötzliche Obmanndebatte halbseidene Gerüchte über Neuwahlen im Herbst sind. Auch wenn Kickl im Fall des Falles den ein oder anderen frustrierten türkisen Überläufer ansprechen könnte - was nützt es, wenn trotz allem keine Regierungsposition winkt?
Was die Blauen jetzt nutzen müssen
Wer nun aber die FPÖ gänzlich abschreibt, macht einen Fehler. Gerade die Blauen haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie selbst aus den größten Miseren gestärkt herauskommen. Und: In Zeiten, in denen sich viele aus Frust oder Ekel von Methoden der klassischen Regierungsparteien abwenden, haben die Blauen ein Momentum, um nach dem Super-Gau ihres ehemaligen „Red Bull brother from Austria“ wieder an Stärke zu gewinnen. Sie müssen es nur geschickt nützen.
Norbert Hofers Comeback?
Ein kluger Kniff könnte es sein, jetzt mit Kickl an der Spitze das blaue Profil zu schärfen und im Fall des Falles - sollte eine Regierungsbeteiligung irgendwann im Raum stehen - elegant zu einem gemäßigteren Vertreter, mit dem die anderen können, zu wechseln. Vielleicht könnte der gerade verabschiedete Norbert Hofer dann sein Comeback feiern? Er sagte einst selbst: Wir werden uns noch wundern, was alles möglich sein wird.
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