02.06.2021 11:55 |

krone.at-Kolumne

FPÖ: Wird unter Kickl alles besser?

Normalerweise ist eine Obmanndebatte etwas, was eine Partei angesichts des Gerüchles der internen Instabilität tunlichst vermeiden will. Nicht so die FPÖ, die reißt sich ohne große Not darum, ihre Führungsspitze öffentlich zu klären. Der Gewinner im Match um den Parteichef scheint Herbert Kickl zu sein. Doch wird unter Kickl alles besser?

Es ist nicht ganz unlustig, dabei zuzusehen, wie die FPÖ gerade jetzt, wo sie in Umfragen wieder beachtlichen Aufwind hat und nach dem fulminanten Strachegeddon wieder gut Tritt fassen konnte, in einen handfesten Machtkampf torkelt. FPÖ gegen FPÖ - meine Damen und Herren, das ist Brutalität.

Doppelspitze hat doch nicht so gut geklappt
Entnervt von der tagelang schwelenden Diskussion warf nun am Dienstag Norbert Hofer als Parteichef hin. Er wolle sich laut erstem Statement „nicht jeden Tag ausrichten“ lassen, dass er „fehl am Platz“ sei. Das ist menschlich nur zu verständlich und zeigt eindrücklich die tiefen Gräben innerhalb der Partei. Die Doppelspitze hat offenbar doch nicht so gut geklappt wie man es uns zu verkaufen versuchte. Da hat es in Wirklichkeit ordentlich rumort.

Ob wir wirklich im Herbst neu wählen?
Nicht nur das: Warum die Freiheitlichen gerade jetzt - wohlgemerkt drei Jahre vor der nächsten Nationalratswahl - eine handfeste Obmanndebatte vom Zaun brechen müssen, folgt einer mäßig sinnvollen Logik. Einen Teil der FPÖ treibt die Idee, dass im Herbst neu gewählt wird. Ob wegen dieses Wunschtraums die vorauseilende Neuaufstellung der Parteispitze besonders clever oder doch eher verschwörungstheoretisch-wirr ist, wird sich weisen. Die Wettquoten stehen für Zweiteres besser.

Was kommt mit Kickl?
Der Initiator des Machtstreits, Herbert Kickl, gilt als wahrscheinlichster Nachfolgekandidat. Unter seiner Führung wird bestimmt ein anderer, rauerer Wind durch die blaue Parteizentrale wehen. Die Maskenverweigerung im Parlament, das Liebäugeln mit Corona-Leugnern und die konsequent rohe Rhetorik zeigen, in welche Richtung es künftig gehen wird - nämlich in die der Brachial-Opposition. Der harte Kontrast kommt bei einer gewissen Klientel sicher gut an. Eine Regierungsbeteiligung kann man sich damit aber abschminken.

Was dem Neustart noch schaden kann …
In jedem Fall wären die Blauen nun gut beraten, zügig nach vorne zu blicken und sich nicht in SPÖ-Manier mit der eigenen Nabelschau zu verzetteln. Das würde die tägliche Oppositionsarbeit gerade zu einem Zeitpunkt stilllegen, wo doch so einiges zu tun wäre und - egal wie man zur FPÖ steht - Widerstimmen im Parlament für unsere Demokratie hochnotwichtig sind. Nur die Regierung würd’s freuen.

Katia Wagner
Katia Wagner
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