27.04.2021 10:55 |

Ach übrigens...

Dynamo Madrid vs. Dynamo Barcelona

„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl rät den verbliebenen Verfechtern der Super League zu einem Stasi-Erfolgsmodell, um die Gerichtsvollzieher zu beschwichtigen.

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Über Fußball zu reden, ist derzeit nicht einfach, was im konkreten Fall aber nichts macht, weil es hier um das turbokapitalistische Hochfinanzprojekt „Super League" geht und nur am Rande um Fußball, der im heutigen Geschäft eher zur Nebensache verkommen ist, wenn auch leider nicht zur schönsten der Welt. Aber eins nach dem anderen: Zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen sieht es so aus, als seien vom dreckigen Super League-Dutzend des Bankhauses JPMorgan Chase & Co. nur noch zwei Clubs übriggeblieben, auch wenn Ligavorstand Florentino Pérez das anders sieht und mit Blick auf Insel und Stiefel meint: „Es ist klar im Vertrag, dass Du nicht gehen kannst."

Ob es sich dabei um ein „Angebot, das man nicht abschlagen kann" handelt, wie es in einer anderen bekannten Mafia-Saga heißt, ist nicht klar, würde milieumäßig aber prima passen. Sollten also mit Real Madrid und dem FC Barcelona tatsächlich nur zwei Clubs, beide mit einigermaßen ausgereiztem Dispo, die neue Super League bilden, müsste man umgehend ein affirmatives Schmucktelegramm an Herrn Pérez schicken, um ihn darauf hinzuweisen, dass Zwei-Team-Ligen schon immer Borne des Erfolgs gewesen sind.

Niemand weiß das besser als Erich Mielke, von 1953 bis 1989 Vorsitzender der Sportvereinigung der inneren Sicherheitsorgane in der DDR (Volkspolizei, Ministerium für Staatssicherheit etc.), deren Clubs vorwiegend den klangvollen Namen Dynamo trugen. Zwei dieser Generatoren, nämlich Dynamo Weißwasser und Dynamo Berlin bildeten auf Erichs Geheiß von 1970 bis 1990 „die kleinste Liga der Welt" und spielten den Eishockey-Meister der DDR unter sich aus. Mit acht Titeln für die Oberlausitzer und deren zwölf für die Hauptstädter. Der Modus wurde zwar ständig geändert, aber das System scheint in seinem sozialistischen Gang bis zuletzt wahnsinnig spannend gewesen zu sein.

„Dieses frappierend simple Stasi-Erfolgsmodell sollte die kapitalistische Königs-, ach was, die Papstklasse des europäischen Fußballs unbedingt übernehmen und Dynamo Madrid dreimal die Woche gegen Dynamo Barcelona antreten lassen. Damit käme man pro Jahr auf 156 Auflagen des „El Clásico" und wer zuerst 79 Begegnungen gewonnen hätte, egal ob Kastilier oder Katalanen, erhielte den mit „585" gepunzten JPMorgan Chase & Co.-Cup und könnte versuchen, diesen dem vermutlich längst im Clubheim residierenden Gerichtsvollzieher als kleine Sicherheit anzubieten. Wie einfach sich doch die scheinbar so hochkomplexen Fragen des Weltfußballs mit etwas Phantasie lösen ließen.

Harald Petermichl
Harald Petermichl
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