24.04.2021 06:55 |

Interview-Reihe

Valentin Inzko: „Alles war abgekartet!“

Valentin Inzko, hoher Diplomat in UN-Diensten, war Sprecher von Rat, Zentralverband und Gemeinschaft der Kärntner Slowenen. Er war auch 2011 der skeptischste Verhandler und ist das bis heute geblieben.

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Wie hat sich das Klima geändert? Nicht nur seit 2011, sondern in Hinblick auf die Jahre zuvor, etwa 1972, als Ortstafeln gestürmt wurden?
Seit der Diözesansynode im Jahr 1972, als im Bereich der katholischen Kirche gegenseitig um Vergebung gebeten und konsequent der Weg der Versöhnung eingeschlagen wurde, seit bahnbrechenden Veranstaltungen, wie „Guten Abend Nachbar, Dober večer sosed“ oder „Servus, Srečno, Ciao“, hat sich das Klima in Kärnten kontinuierlich gebessert. Natürlich hat der Ortstafelkompromiss, der zweimal gescheitert war, einen Beitrag geleistet.

Bleiben wir beim 26. April 2011, an dessen Abend sie keinen sehr glücklichen Eindruck machten. Waren Sie derart unzufrieden mit dem Verhandlungsergebnis?
Staatssekretär Ostermayer war auf die Verhandlungen brillant vorbereitet, er wollte als kluger Politiker ein Scheitern wie Kreisky verhindern. Er hat sich in zahlreichen Treffen, auch am 10. November 2010 im Lavanttal, von Heimatverbänden und Konsensgruppe 163 Ortstafeln absegnen lassen. Alles war abgekartet. Aber das letzte Wort hatte ja LH Gerhard Dörfler. Ostermayer hat Dörfler laut eigenen Worten bereits am 10. Dezember 2010 beim Adventkonzert des Grenzlandchores, eine fertige Liste der Ortsnamen überreicht: „Nach dem Konzert habe ich Landeshauptmann Dörfler eine Liste mit 163 Namen übergeben.“ Das war zwei Monate vor Verhandlungsbeginn.

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Ich glaube an ein offenes, mehrstimmiges Kärnten!

Valentin Inzko

Man hat den Eindruck, dass die Chemie zwischen Ihnen und Dörfler einfach nicht passt. Täuscht das?
Der LH hat mich Zündler genannt und Inzko sei Unwort des Jahres. Nun wiederholte er, dass „wir nicht am Tarviser Markt sind“ und dies nur, weil ich für meinen Heimatort Suetschach/Sveče ein zweisprachiges Schild wollte. Er erfüllt mit 16,5 Prozent den vom VfGH angegebenen Wert von zehn Prozent. Dörfler hat ihn eigenwillig auf 17,5 Prozent erhöht. Sie bleiben nichts schuldig. Ich denke an die Aussage von Geldgeschenken für manchen Verzicht. Der Höhepunkt war sein Angebot einer halben Million, falls wir auf die Amtssprache in St. Kanzian / Škocjan und Eberndorf / Dobrla vas verzichten. Ich betrachte es bis heute als Bestechungsversuch.

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Unter Haider hätte es eine großzügigere Lösung gegeben, das hat er mir selbst gesagt.

Valentin Inzko

Im Gegensatz zu Ihrem Rat haben der Zentralverband und die Gemeinschaft weniger Skepsis gezeigt...
Unterschrieben habe ich, weil der Kompromiss zwar schmerzlich war, aber mehr ergab als vorher und mit Versprechen verbunden war - ein Volksgruppengesetz neu oder zusätzliche Ortsschilder. Das Gesetz haben wir noch immer nicht. Unter Haider hätte es eine großzügigere Lösung gegeben, das hat er mir selbst gesagt.

Mit Verlaub, als Diplomat unterschreibt man doch nicht halbherzig. Warum doch?
Weil ich an ein offenes, mehrstimmiges Kärnten glaube, wo in der Verfassung einmal auch Slowenisch als zweite Landessprache verankert sein wird. Ich glaube an unsere Talente, an Menschen wie Martin Kušej oder Jože Marketz, an Menschen von Oman bis Oswald. Und an Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung als Basis.

Fritz Kimeswenger
Fritz Kimeswenger
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