09.04.2021 06:00 |

Nicht Teil des Plans

Drahtzieher: Gudenus brachte „Krone“ ins Spiel

Aus der Untersuchungshaft in den U-Ausschuss vorgeführt wurde am Donnerstag der Drahtzieher hinter dem Ibiza-Video. Dort reklamierte Julian H. die Idee für die Videofalle für sich. Er habe ein politisches Sittenbild zeichnen wollen. Die „Krone“-Übernahme sei vom damaligen FPÖ-Politiker Johann Gudenus ins Spiel gebracht worden.

Er tritt im berühmt-berüchtigten Ibiza-Video als Berater der vermeintlichen Oligarchen-Nichte auf, spricht darin mit den Ex-FPÖ-Politikern Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus über Staatsaufträge, Parteispenden und die Übernahme der „Krone“ und hatte am Donnerstag seinen mit Spannung erwarteten Auftritt im Ibiza-U-Ausschuss: Privatdetektiv Julian H., Drahtzieher hinter dem Ibiza-Video.

Dieses führte nicht nur zum Fall von Strache und Gudenus, sondern auch zum Platzen der türkis-blauen Regierung und zog jenen U-Ausschuss nach sich, in dem er nun fünf Stunden lang Rede und Antwort stehen musste.

Seit seiner Auslieferung aus Deutschland im März befindet sich H. in Untersuchungshaft. Ihm, für den die Unschuldsvermutung gilt, werden Erpressung und Drogendelikte vorgeworfen. Zur Befragung in den U-Ausschuss wurde er direkt aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Dort präsentierte er sich dann nicht nur als Opfer, sondern auch als Kämpfer gegen Korruption.

„Kurz-Umfeld“ warnte FPÖ vor einer Videofalle
H. sagte, dass die Idee für die Videofalle von ihm selbst gekommen sei. Weiter involviert gewesen sei der Rechtsanwalt M. und jene Frau, die die vermeintliche Oligarchen-Nichte gespielt hatte. Auftraggeber oder Hintermänner habe es keine gegeben, auch ein Nachrichtendienst sei nicht involviert gewesen. Er habe mit dem Video ein politisches Sittenbild zeichnen wollen.

Nicht Teil seines Plans sei gewesen, die Übernahme der „Krone“ zum Thema zu machen - diese habe Gudenus bei einem der Treffen in Wien vor der verhängnisvollen Nacht auf Ibiza ins Spiel gebracht. „Das war nicht Teil der Planung. Wir hatten keine Absicht, in diese Richtung zu gehen. Das ist erstmals von Herrn Gudenus aufgekommen“, sagte H.

Im Vorfeld des Treffens auf Ibiza will H. auch eine Warnung von Gudenus vor einer möglichen Falle erhalten haben. „Wir müssen sehr vorsichtig sein“, soll der damalige FPÖ-Klubobmann gesagt haben. Die Partei habe aus dem „Kurz-Umfeld“ Informationen erhalten, „dass uns irgendjemand mit einem Video hereinlegen wird“.

H. sieht sich als Opfer befangener Ermittlungen
Kein gutes Haar ließ der Privatdetektiv, der sich als Opfer voreingenommener und befangener Ermittlungen sieht, an den Behörden. „Es wird versucht, mich mundtot zu machen.“ Und: „Es ist schwer zu glauben, dass Österreich ein gefestigter Rechtsstaat sein soll.“ Aus seiner Sicht wäre das Video auch gar nicht nötig gewesen, wenn die Behörden schon im Jahr 2015 den Vorwürfen, die ein Ex-Leibwächter von Strache gegen ebendiesen erhoben hatte, nachgegangen wären. „Das Video sollte seit jeher vorliegende Vorwürfe objektiv dokumentieren - Einflussnahmen und Käuflichkeit in der Republik“, sagte H.

Zum Verkauf angeboten habe er persönlich das Video nicht - das hätten nur andere, ohne dass er davon wusste, getan. Allerdings habe es nach Publikwerden des Videos Angebote an ihn gegeben - von 10.000 Euro bis zu zwei Millionen Euro.

Erich Vogl
Erich Vogl
Sandra Schieder
Sandra Schieder
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