AK OÖ-Studie:

Corona verschärft die Gewalt am Arbeitsplatz

Gewalt am Arbeitsplatz ist noch immer ein Tabuthema – doch die Arbeiterkammer OÖ leistet hier Pionierarbeit, ließ eine umfassende Studie erstellen. Mit erschreckenden Erkenntnissen: Elf Prozent der Arbeitnehmer wurden im Vorjahr gemobbt, sieben Prozent erlebten Gewalt. Und Corona hat die Situation verschärft.

Zum Beispiel eine junge Frau aus dem Raum Linz: Ihr Chef griff der Verkäuferin vor Kollegen auf den Busen und machte sexuelle Bemerkungen. Auf ihre Frage, was das soll, sagte der Boss: „Stell dich nicht so an.“

Zusätzliche Aufgaben
Ein anderer Arbeitnehmer bekam von seinem Vorgesetzten so viele zusätzliche Aufgaben aufgehalst, dass ihm alles zu viel wurde. Fast täglich wurde er vom Chef bloßgestellt und beleidigt – bis er krank wurde und seinen Job verlor. Die AK konnte für beide Schadenersatzzahlungen erkämpfen. Die Frau bekam 2500 Euro Schadenersatz, der Mann 3200 Euro zugesprochen.

Junge und Migranten besonders betroffen
Zwei Beispiele, die den Alltag vieler Arbeitnehmer illustrieren. Laut der AK-Studie waren sieben Prozent im Vorjahr von physischer Gewalt betroffen, acht Prozent wurden zu Zeugen eines Gewaltvorfalls. 16 Prozent der Beschäftigten wurden am Arbeitsplatz beleidigt oder beschimpft. Besonders häufig betroffen sind übrigens Junge (23 Prozent) und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund (22 Prozent).

Schweigen hilft den Tätern
„Bei Gewalt im Betrieb gibt es eigentlich keine Unbeteiligten. Zu sagen, das geht mich nichts an, hilft nur dem Täter. Man wird so zum Ermöglicher der Übergriffe und zum Verbündeten des Täters, auch wenn man das selbst gar nicht will“, sagt AK-Arbeitspsychologin Eva Mandl. AK-Präsident Johann Kalliauer: „Die Betriebe müssen Rahmenbedingungen schaffen, die ein gedeihliches Miteinander ermöglichen. Das nutzt auch den Firmen.“

Christoph Gantner
Christoph Gantner
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Freitag, 23. April 2021
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