27.12.2010 11:40 |

Wildtiere in Ö

WWF-Bilanz: Wolf gewinnt, Braunbär großer Verlierer

Eine "durchwachsene" Bilanz zieht die Umweltschutzorganisation WWF für das zu Ende gehende Jahr im Hinblick auf die Artenvielfalt und die Lebensbedingungen für Wildtiere in Österreich. Für 2010, ausgerechnet das "Jahr der Biodiversität", hat der WWF den Wolf und den Seeadler als "Gewinner" ausgemacht, eingeengten Lebensraum bzw. dezimierte Bestände ortet man u.a. beim Braunbären.

"Auch im Jahr der Biodiversität ist es nicht gelungen, den Artenschwund bei Tieren und Pflanzen einzudämmen", kritisiert Bernhard Kohler, Leiter des WWF-Österreichprogramms.

Er kann zwar einige "Lichtblicke" ausmachen, aufgrund der Zerstörung von Lebensraum durch Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, Wasserkraftwerke sowie die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft gehe es für einige Arten jedoch "rasant bergab". Nachfolgend die Gewinner und Verlierer des Jahres 2010:

Die Gewinner

Der Wolf eroberte sich in den vergangenen Jahrzehnten in weiten Teilen Europas seinen einstigen Lebensraum zurück. 2010 konnten
in Österreich bereits fünf bis sieben Wölfe aus unterschiedlichsten Einwanderungsrichtungen nachgewiesen werden.

Der Seeadler, Österreichs Wappenvogel, kam im vergangenen
Jahrhundert durch Bejagung, Pestizideinsatz und die Zerstörung
seines Lebensraumes in arge Bedrängnis. Hierzulande galt er ab
1950 als ausgestorben. Gesamteuropäische Naturschutzbemühungen
verhalfen dem Seeadler aber zu einem Comeback: Nach dem ersten
erfolgreich geschlüpften Adler im Jahr 2001 stieg der Bestand
langsam, aber stetig an. Heuer zählte der WWF bereits über
13 Seeadler-Paare, die über den Auwäldern von Donau und March
kreisen und in entlegenen Baumhorsten ihre Jungen großziehen.

Die Große Hufeisennase gehört zu den seltensten Fledermausarten
Europas und ist in Österreich vom Aussterben bedroht. Im Frühjahr 2010 statteten Forscher in Tirol ein Weibchen und ein Männchen mit einem fingernagelkleinen Peilsender aus und entdeckten dadurch, dass die Fledermäuse nicht isoliert leben, sondern mit einer größeren Population in Südtirol im Austausch stehen.

Die Rotbauch-Unke gehört zu den am stärksten bedrohten Tierarten Österreichs. Verantwortlich dafür ist vor allem die Zerstörung ihrer Laichgewässer. 2009 startete der WWF in den March-Thaya-Auen ein Renaturierungsprojekt.

Die Bilek's Azurjungfer ist eine Kleinlibellenart, die europaweit nur mehr im Tiroler Lechtal überlebt hat. Nun wurde erstmals ein weiteres Vorkommen der Libellenart im Inntal entdeckt.

Die Verlierer

Der Braunbär, einst König der Wälder, wurde in Österreich - mit Ausnahme von Kärnten - im 19. Jahrhundert vollständig ausgerottet. Nach einem Wiederansiedlungsprojekt konnten in den 1990er-Jahren zeitweise bis zu zwölf Bären gleichzeitig nachgewiesen werden. Heuer liegt der Bestand wieder bei einem Bären, dem 2001 im Mariazeller Land geborenen "Moritz". Nur ein wirksames Rettungsprogramm kann laut WWF verhindern, dass der Bär in Österreich zum zweiten Mal ausstirbt.

Der Huchen kann über 20 Jahre alt werden und zählt zu den größten Vertretern der lachsartigen Fische weltweit. Dennoch gehört er zu den großen Verlierern des Biodiversitäts-Jahres. Durch den 2010 erfolgten Startschuss für die Kraftwerke Kalsdorf und Gössendorf werden 23 Kilometer freie Fließstrecke der steirischen Mur zur Staukette. Für den Huchen bedeuten die Staumauern und das in Folge verschlammte Flussbett eine massive Lebensraumverschlechterung.

Die Stiel-Eiche, früher Charakterbaum der Auwälder, droht aus den heimischen Auen zu verschwinden. Die Ursache dafür, dass die Keimlinge nicht mehr hochkommen, liegt daran, dass in der modernen Forstwirtschaft rasch wachsende Baumarten bevorzugt werden, die viel Schatten erzeugen. Außerdem macht den Eichen die Absenkung des Grundwasserspiegels - als Folge von Flussbegradigungen, Dammbauten und Kraftwerken - zu schaffen.

Die Uferschnepfe: Mit dieser Vogelart der Roten Liste ging es in den vergangenen 20 Jahren dramatisch bergab. In Österreich konnte sich ein kleiner Bestand im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel (Burgenland) halten, weil man dort gezielt jene Wiesen pflegt, in der diese Zugvögel brüten. Außerhalb von Großschutzgebieten hat der Schnepfenvogel kaum noch Chancen, weil immer mehr Wiesen in Ackerland oder Wald umgewandelt werden.

Die Ährenmaus ist eine nahe Verwandte der Hausmaus; im Gegensatz zu dieser aber vom Aussterben bedroht. Weil sie ihre Vorratshügel in Ackerbrachen und Windschutzgürteln baut, leidet sie laut WWF unter den "Willkürakten der Landwirtschaftspolitik". 

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