07.03.2021 16:21 |

Schlusspunkt der Reise

Irak: Papst feiert Messe in Fußballstadion

Bei seinem Besuch im Nordirak hat Papst Franziskus am Sonntag in einem Fußballstadion in der kurdischen Hauptstadt Erbil eine Messe gefeiert. Vor Tausenden Gläubigen prangerte er dabei Machtmissbrauch und Korruption an: „Es tut Not, dass die unheilvolle Beeinflussung der Macht und des Geldes aus unseren Herzen und aus der Kirche ausgerottet werden“, sagte der 84-Jährige. Der Gottesdienst setzte den Schlusspunkt hinter die Irak-Reise des Oberhauptes der katholischen Kirche.

Der Papst forderte bei der Messe in Erbil zudem Solidarität der Gläubigen. „Wir müssen uns verantwortlich fühlen und dürfen nicht einfach zuschauen, wenn der Bruder oder die Schwester leidet“, erklärte er.

Zufluchtsort der Christen vor dem IS
Erbil wurde für zahlreiche Christen zum Zufluchtsort, als die Terrormiliz Islamischer Staat im Nordirak immer mehr Städte einnahm. Vor gut sechs Jahren hielt die Stadt den Angriffen mithilfe einer Allianz aus kurdischen Kämpfern und den Vereinigten Staaten stand, als die Islamisten bis auf 40 Kilometer auf Erbil vorgerückt waren.

Vor seinem Besuch in Erbil hatte der Papst am Sonntag in der einstigen Terroristen-Hochburg Mossul für all jene gebetet, die vom IS während dessen blutiger Herrschaft im Nordirak ermordet, versklavt und vertrieben worden waren. Auf dem Platz Hosh al-Bieaa, dem Schauplatz der Zerstörung mehrerer christlicher Kirchen, zeigte sich Franziskus bestürzt angesichts der „grauenvollen Erfahrungen“, die die Menschen während der IS-Herrschaft gemacht hätten.

Ein „unermesslicher Schaden“ sei angerichtet worden. Muslime, Christen, Jesiden - alle zählten zu den Opfern. „Heute bekräftigen wir nichtsdestoweniger erneut unsere Überzeugung, dass die Geschwisterlichkeit stärker ist als der Brudermord“, so Franziskus. „Wenn Gott der Gott des Lebens ist - und das ist er -, dann ist es uns nicht erlaubt, die Brüder und Schwestern in seinem Namen zu töten“, unterstrich der Papst.

Von Patriarch empfangen
Am Ende der Zeremonie wurde auf dem Kirchplatz in Mossul ein Gedenkstein enthüllt, um an die Papstvisite zu erinnern. Franziskus ließ eine Friedenstaube steigen, ehe er in den christlich geprägten Ort Karakosch weiterreiste, wo er bei der Kirche der Unbefleckten Empfängnis, dem größten christlichen Gotteshaus im Irak, vom Patriarchen der syrisch-katholischen Kirche von Antiochien begrüßt wurde. Ignatius Youssef III. Younan dankte für den „historischen Besuch, der uns über unsere Qualen hinwegtröstet, uns ermutigt, in unserem Land verwurzelt zu bleiben“.

Video: Der Papst bei seinem Besuch in Karakosch

Bei seinem Besuch in Karakosch brachte Papst Franziskus der dortigen Gemeinde ein besonderes Geschenk mit: In der Kirche der Unbefleckten Empfängnis übergab er laut Vatikanangaben ein restauriertes Gebetsbuch mit liturgischen Gebeten aus dem 14. bis 15. Jahrhundert. Es war 2014 von Priestern in Karakosch vor der anrückenden Terrormiliz gerettet worden.

Das in syrischer Schrift verfasste Buch enthält Gebete, die zwischen Ostern und dem Heiligkreuzfest auf Aramäisch gesprochen werden. Das stark beschädigte Buch wurde von italienischen Spezialisten aufwendig restauriert. Nach rund sieben Jahren kehrte es nun an seinen angestammten Platz zurück.

Papst traf in Erbil Vater von Alan Kurdi
Papst Franziskus ist in Erbil mit dem Vater des ertrunkenen Buben Alan Kurdi zusammengetroffen, dessen Bild zu einem Symbolbild des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer geworden ist. Wie der Vatikan laut Kathpress mitteilte, sprach der Papst mit Abdullah Kurdi nach der Papstmesse zum Abschluss seiner Irak-Reise am Sonntag.

Papst Franziskus unterhielt sich nach Vatikanangaben ausführlich mit dem Vater. Er habe dessen Schmerz über den Verlust der Familie angehört und ihm die Anteilnahme Gottes an seinem Leiden zugesichert. Der Papst setzt sich seit langem für die Möglichkeit einer sicheren, legalen und geordneten Einwanderung nach Europa ein.

Quelle: APA/dpa

Michaela Braune
Michaela Braune
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