07.03.2021 14:00 |

Infineon-Chefin

Frauen-Quote ist „nicht elegant, aber wirksam“

Infineon-Chefin Sabine Herlitschka ist eine der wenigen weiblichen Vorstände. Sie rät Frauen, sich nicht von Rollenbildern abschrecken zu lassen, und hält eine Quote für „nicht elegant, aber wirksam“.

„Krone“: Stimmt es Sie traurig, dass es im Jahr 2021 noch immer einen eigenen Tag braucht, um auf die Herausforderungen für Frauen aufmerksam zu machen?
Sabine Herlitschka: Irgendwann wird es ihn hoffentlich nicht mehr brauchen - bis dahin sehe ich das pragmatisch. Es ist immer eine gute Gelegenheit, um auf dieses wichtige Thema hinzuweisen. Gleichstellung macht uns als Gesellschaft stärker. Diversität steigert die Wettbewerbsfähigkeit in Unternehmen und Institutionen.

Wie tut sie das?
Studien zeigen, dass mehr Diversität dazu führt, dass Organisationen erfolgreicher sind, auch in konkreten Kennzahlen. Infineon hat sich das Ziel gesetzt, in Führungspositionen 20 Prozent Frauen zu erreichen, das ist sehr ambitioniert für Technik-Unternehmen. Wir arbeiten an sehr komplexen Fragestellungen und je unterschiedlicher die Menschen, ihre Expertise und ihre Lebenserfahrungen sind, umso höher ist die Chance, zur besten Lösung zu kommen.

Gab es diese Ziele schon vor Ihnen als Frau an der Spitze?
Dieses Ziel haben wir uns konzernweit vor einigen Jahren gesetzt. In Österreich haben wir da noch viel zu tun - in Asien etwa ist der Anteil an Frauen in der Führung höher.

Warum hinkt Österreich hinterher?
In Österreich, Deutschland bzw. Zentraleuropa haben wir nach wie vor ein sehr traditionelles Rollenverständnis. In den östlichen EU-Ländern oder am Balkan ist das anders. Weibliche Führungskräfte von dort sind immer sehr verwundert, wie kompliziert es in Österreich ist, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bekommen.

Was macht man dort anders?
Dort ist es normaler, dass Frauen voll am Arbeitsprozess beteiligt sind. Generell gilt: Die effektivste Maßnahme, um Frauen zu beteiligen, sind gut ausgebaute Kinderbetreuungseinrichtungen. Der Infineon-Kindergarten bietet 190 Plätze, ist zweisprachig und verfolgt ein spezifisches Bildungskonzept. Jedes Kind ist ein geborener Naturwissenschaftler, denn es will irgendwann zum Beispiel wissen, warum ist der Himmel blau oder das Gras grün. Dieses Interesse gilt es zu fördern.

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In östlichen EU-Ländern oder am Balkan sind weibliche Führungskräfte immer sehr verwundert, wie kompliziert es in Österreich ist, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bekommen.

Infineon-Chefin Sabine Herlitschka

Offenbar gelingt das bei Buben besser als bei Mädchen - sonst würde es nicht immer noch so viele Aktionen brauchen, um Mädchen für Technik zu begeistern.
Als Unternehmen tun wir da viel, aber das ist ein gesellschaftliches Problem. Technik bietet besonders für Frauen attraktive Chancen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.

Wie kann man die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen verkleinern?
Selbst wenn es das gleiche Gehaltsschema für Männer und Frauen gibt, bleiben oftmals die unterschiedlichen Karriereverläufe. Entgegenwirken kann man vor allem mit gut organisierter Kinderbetreuung: 365 Tage im Jahr und von in der Früh bis am Abend. Das ist nicht nur ein Frauenthema - auch Väter sind hier gleichermaßen gefordert.

Braucht es eine Quote für Frauen in Führungspositionen?
Die Quote ist wirksam. Sie ist nicht elegant - aber es gibt derzeit keine Maßnahme, die besser wirkt. Überall dort, wo man sie eingeführt hat, hat man „plötzlich“ auch gute Frauen für die Positionen gefunden, auch wenn es vorher geheißen hat, dass es sie nicht gibt. Quote heißt ja nicht, sich zurückzulehnen. Sie schafft Aufmerksamkeit und öffnet Türen, durchgehen muss jede selber und sich beweisen.

Was würden Sie einer jungen Frau raten, die gerne Karriere machen möchte?
Den eigenen Talenten folgen und Bildung wichtig nehmen. Und dann: mutig sein, sich nicht von etablierten Rollenbildern abschrecken lassen und Chancen nutzen.

Teresa Spari
Teresa Spari
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