27.02.2021 06:00 |

Hoffen auf Wärme

Expertin: „Sommer ist kein Corona-Freifahrtschein“

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen in die Höhe: In Sachen Corona bringt der Frühling große Hoffnung. Verlassen darf man sich auf den „saisonalen Effekt“ aber nicht allzu sehr. Schließlich ist die Wärme alleine keine Waffe gegen das Virus, erklärt Virologin Monika Redlberger-Fritz. 

„Das Schöne am Frühling ist, dass er immer gerade dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht“, sagte der deutsche Schriftsteller Jean Paul. Das mag vor allem nach dem langen Pandemie-Winter zutreffen – und die schweren Gemüter etwas erleichtern. Aber auch in epidemiologischen Zusammenhang wird immer wieder vom „saisonalen Verlauf“ gesprochen – und der großen Hoffnung, die auf dem Frühling liegt. Doch welchen Effekt hat die Sonne auf das Virus wirklich?

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Grundsätzlich haben UV-Strahlen Auswirkungen auf Viren – das spielt aber primär bei Schmierinfektionen eine Rolle.

Monika Redlberger-Fritz, Virologin

„Grundsätzlich“, erklärt Virologin Monika Redlberger-Fritz, „können UV-Strahlen Viren auf Oberflächen rasch inaktivieren.“ In den Laboren etwa werden sie als probates Mittel verwendet, um Werkbänke und Co. steril zu halten. Das große Aber: „Das hilft vor allem bei Schmierinfektionen. Covid-19 aber, das weiß man mittlerweile, wird hauptsächlich über Tröpfchen weitergegeben.“ Die Wärme alleine sei also keine Waffe im Kampf gegen Corona.

Leben verlagert sich wieder nach draußen
Und doch: Der Frühling, der Sommer könnten einen anderen, positiven Effekt haben: „Das Sozialverhalten verändert sich“, erklärt Redlberger-Fritz, „durch die warmen Temperaturen zieht es die Menschen wieder nach draußen.“ Wie sehr sich das aber auf die Infektionsdynamik auswirken wird, sei aktuell noch nicht abzuschätzen. Das sieht auch Virologin Wegene Borena, die an der Antikörper-Studie in Ischgl mitwirkte, so.

In der aktuellen Situation sei es schwer, Prognosen abzugeben, erklärt sie. Aber so viel sei klar: „Der Sommer ist kein Freifahrtschein.“ Das wisse man auch aus dem Vorjahr, wo im Spätsommer die Zahlen wieder stark anstiegen.

„Wenn wir es bis in den März schaffen, dann haben wir es geschafft“, sagte der Mathematiker Niki Popper vor Weihnachten. Eine Aussage, bei der er auch bleibe, wie er auf Nachfrage betonte. Maßgeblich sei aber, wie hoch die Zahlen sind, mit denen man in den richtigen Frühling startet. Die können wegweisend für die folgenden Wochen sein.

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
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