14.02.2021 11:00 |

musikabendeGRAZ

Gedanken zur aktuellen Schieflage der Kulturnation

Christian Schmidt ist Pianist sowie Organisator und künstlerischer Leiter der musikabendeGRAZ. Schmidt ist aber auch eines, nämlich besorgt um den Umgang mit Kunst und Kultur in diesem Land in diesen Zeiten. Die „Krone“ traf sich mit ihm zum Gespräch über die wahrgenommene Kurzsichtigkeit der Politik.

Eines vorweg, Christian Schmidt ist sich sehr wohl der schwierigen Lage aller in der Zeit der Pandemie bewusst. „Ich möchte nicht in den Schuhen derer stecken, die jetzt Entscheidungen treffen müssen. Man wird es nie allen gleichermaßen recht machen können.“ Aber der Grazer Pianist zeigt sich auch besorgt über den Stellenwert der Kunst in einer Nation, die sich oft allzu gerne nach außen als „Kulturnation“ präsentiert: „Ich fühle mich als Künstler nicht wahr- oder ernstgenommen. Das fehlende Bekenntnis zur Kultur und ihren Handelnden ist beschämend“, findet Schmidt drastische Worte. Man ist geneigt ihm zuzustimmen, bei allen Pressekonferenzen zu Maßnahmen der Regierung der letzten Zeit spielte die Kultur kaum eine Rolle. Gerhard Ruiss, Vertreter der IG Autorinnen und Autoren, fand dazu nach der letzten Verkündung ähnliche Worte: „Wenn es das Ziel der Regierung war, Kultur an den Rand der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken, so ist das mittlerweile geglückt. Niemand, außer den Kunst- und Kulturschaffenden und Kulturverantwortlichen selbst, redet mehr über Kultur.“

Politische Verantwortung
Schmidt sieht dabei auch die gewählten Vertreter der Stadt- und Landespolitik in der Pflicht. „Ich habe seit über einem Jahr von den zuständigen Vertretern keine substanziellen Äußerungen zur Hilfe der Kultur gehört. Dabei ist das doch auch ihre Aufgabe, für ihre Zuständigkeitsbereiche einzustehen!“ Auf Bundesebene sieht das freilich nicht besser aus. Ein eigenes Kulturministerium hat es lange nicht mehr gegeben, und wenn es denn einmal Ideen zur Öffnung für den Kulturbereich gibt, so sind sie aus Sicht der Veranstalter kaum durchführbar: „Aufmachen mit 20 Uhr Sperrstunde oder die Pflicht zur Testkontrolle? Das alles ist nicht wirklich praktikabel.“

Kollateralschäden
Christian Schmidt geht es in seiner Kritik nicht nur um den Umgang mit dem reichen kulturellen Erbe Österreichs. Es geht ihm vor allem um die, die es am Leben halten und weiterentwickeln. Mozart wird auch diese Krise überstehen. Aber was ist mit all den Künstlern, Komponisten, Interpreten? Und was macht es mit den Menschen, die jetzt um den Kulturgenuss gebracht werden? „Natürlich ist das eine schwierige Abwägungsfrage zwischen Freiheit und Sicherheit. Aber das Gleichgewicht stimmt nicht mehr. Die Kollateralschäden, die derzeit anfallen, werden zu wenig beachtet. Man kann nur hoffen, dass hier nichts unwiederbringlich verloren geht.“ Denn Kunst, so hat es Nikolaus Harnoncourt schon formuliert, ist viel mehr als eine hübsche Zuwaage. Sie ist essenziell für das Menschsein.

Das Gespräch führte Musikkritiker Roland Schwarz. Alle Infos zum geplanten Programm der musikabendeGRAZ findet man hier.

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