07.02.2021 07:00 |

Eisiges Abenteuer

Lautes Kinderlachen im 28 Meter hohen Steileis

Eisklettern ist die Königsdisziplin der alpinen Sportarten. Aber nicht nur Profis haben Spaß dabei, auch Kinder. Und im Bergsteigerdorf Mauthen in Kärnten gibt’s einen eisigen Spielplatz dafür.

„Lässig. Ich freue mich aufs Eisklettern!“ Wie zwei echte Bergprofis sind Beat und Niclas voll motiviert. „Eisklettern ist eine anspruchsvolle Sportart und setzt viel Erfahrung voraus“, sagt der Kötschach-Mauthener Bergführer Hannes Lexer, der auch schon mehrere hervorragende Kletterführer geschrieben hat. Denn die Eisqualität der spektakulären Formen und bizarren Skulpturen, die sich in richtig kalten Wintermonaten rund um Wasserfälle bilden, ist nicht immer gleich. „Schon die Farbe eines Eisfalls sagt viel aus, ob er sicher zum Klettern ist“, erklärt Hannes den beiden Nachwuchs-Eiskletterern: „Weißes, helles Aussehen deutet auf Schnee und Lufteinschlüsse hin - also schlechte Qualität. Blaues Eis ist hingegen solide und kompakt.“

Trotzdem ist die Gefahr in vereisten Wasserfällen groß, jederzeit von herunterstürzenden Eisklumpen getroffen zu werden. Viel sicherer ist Eisklettern im Bergsteigerdorf Mauthen im Gailtal, wo im hervorragenden Freizeitzentrum der Alpenvereinssektion Obergailtal-Lesachtal ein großer Eisturm steht. Ein 28 Meter hoher alpiner Marterpfahl, ein vertikaler Spielplatz der Extreme.

Beat und Niclas wollen gleich losklettern, doch Bergführer Hannes hält sie zurück: „Zuerst müssen wir uns aufwärmen.“ Denn im Schatten der Karnischen Alpen und direkt neben dem Valentinbach ist es im Winter kalt. Zum Eisklettern braucht es eine gute Bekleidung, die wasserdicht ist, nicht zu viel aufträgt und dennoch warm ist. Doch das Wichtigste sind gute Steigeisen und zwei Eisgeräte. Hannes zeigt den beiden Buben die Steigtechnik: „Die Frontalzacken werden ins Eis geschlagen. Ein leichtes Hängenlassen der Fersen spart Kraft und erhöht die Standsicherheit, da auch die zweite Reihe der Zacken ins Eis greift.“ Die beiden Buben lauschen aufmerksam. Das ist auch wichtig, weil man sich sonst mit den scharfen Zacken und den spitzen Eisgeräten leicht verletzten kann.

Das Sicherungsseil ist eingehängt, alle Karabiner sitzen und sind verschlossen. Nach einem letzten Partnercheck steigt Beat in den Eisturm ein. Es braucht viel Kraft. Doch wie ein angehender Profi platziert der Zehnjährige die beiden Eisäxte und steigt immer höher. Bergführer Hannes ist stolz.

Seit 1999 wartet der mächtige Eiszapfen in Mauthen darauf, bezwungen zu werden. Zu verdanken ist dieser eisige Spielplatz dem engagierten Mauthener „Eisbären“ und Alpenvereinsobmann Sepp Lederer, der auch heute noch für optimales Eis sorgt. Unter dem Eisturm, der manche an einen vereisten Wiener Stephansdom erinnert, steckt ein alter Strom-Gittermast, der in der Nähe von Wien erworben, abgebaut, ins Gailtal transportiert und mit Spritzbeton ummantelt wurde. Vom Strom-Gittermast zum vertikalen Spielplatz.

„Die offizielle Erstbesteigung fand am Silvestertag 1999 statt“, erinnert sich Sepp, während er jetzt, zwei Jahrzehnte später, die beiden Nachwuchskletterer beobachtet. Mehrfach wurden hier bereits die Österreichischen Meisterschaften im Eisklettern veranstaltet. 

In der Zwischenzeit hat es Beat geschafft und mit einem kräftigen Schlag mit dem Eisgerät die Glocke in 28 Meter Höhe zum Läuten gebracht. Kurz darauf steigt Niclas in die Route ein und Beat freut sich bereits: „Darf ich danach nochmals? - Bitte!“ Ausdauer und Kraft haben die beiden jungen Buben genug.

Bergführer Hannes Lexer von der Alpinschule GoVertical bietet im Winter das Kinder-Eisklettern an. Infos unter 0664 / 35 27 305

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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