25.01.2021 16:36 |

„Große Genugtuung“

Kriechmayr: Rotes Trikot und Grinsen im Gepäck

Ob sich hinter der Maske ein Lächeln verbarg, ließ Vincent Kriechmayr im Gespräch mit den Journalisten im Zielraum der Streif vorerst einmal offen. „Wer weiß“, sagte der Oberösterreicher am Montag nach dem Sieg im Weltcup-Super-G von Kitzbühel. Das Strahlen in den Augen verriet aber doch ein gewisses Glücksgefühl beim Ski-Ass und am Ende des Gespräches versicherte er: „Ich fahre mit einem großen Grinsen aus Kitzbühel weg.“

Mit Recht, denn zum einen endeten die Hahnenkammrennen nach der ungeliebten Trainingsbestzeit und den dann folgenden unzufriedenstellenden Rängen 9 und 17 in den Abfahrten versöhnlich. Zum anderen reiste er auch als neuer Disziplinführender ab. Eine schöne Begleiterscheinung, aber nicht so aussagekräftig, hätten die zwei bis dato vor ihm gelegenen Mauro Caviezel und Aleksander Aamodt Kilde doch verletzungsbedingt gefehlt, merkte Kriechmayr an.

„Man sollte das Rote Trikot am Ende der Saison haben. Mothl und ich haben uns in der letzten Saison ein paar Mal abgewechselt, einmal hatte es er, einmal ich. Am Ende hat sich trotzdem ein anderer durchgesetzt.“ Mauro Caviezel gewann mit drei Punkten Vorsprung auf Kriechmayr, Matthias Mayer wurde Vierter.

Er sei auf Fälle sehr happy mit dem Rennen, hielt sich Kriechmayr an die Momentaufnahme. „Nachdem was mir in den letzten Tagen in der Abfahrt passiert ist, ist das eine große Genugtuung, dass dieses verlängerte Wochenende für mich so ausgegangen ist. Aber das macht die schlechten Ergebnisse in der Abfahrt nicht vergessen.“

Es sei im Super-G bei unruhigen, glatten Verhältnissen auf dem Limit gewesen, er habe nach den kleinen Sprüngen sofort wieder versucht Tempo zu machen. Ein kleiner Fehler in der Traverse wirkte sich zu seiner Verwunderung nicht entscheidend aus. Aber es seien nur wenige ohne Fehler durchgekommen, weshalb es für ihn gereicht habe.

Im Super-G sei er immer schnell gewesen in dieser Saison, er gäbe immer hundert Prozent, auch wenn der eine oder andere Fehler dabei sei. „In Gröden habe ich Fehler gemacht, in Val d‘Isere habe ich Fehler gemacht. Aber ich weiß, ich war zumindest immer schnell. Das ist mir lieber, als wenn ich wie in den letzten Tagen in der Abfahrt abschwinge und ratlos bin, wo der Rückstand her kommt. Im Super-G bin ich immer am Limit, und heute ist es mir aufgegangen.“

Seine erste Golde Gams hat beim nun siebenfachen Gewinner von Weltcuprennen einen hohen Stellenwert. „Wenn man weiß, welche Personen hier runter den Super-G schon gewonnen haben, ist das wirklich eine coole Geschichte. Dass ich mich in die Siegerliste eintragen kann, ist eine coole Sache.“ Ebenfalls bei Montagsrennen gewann beispielsweise 2003 und 2005 jeweils Hermann Maier. Mit fünf Erfolgen ist der Salzburger immer noch Rekordsieger in dieser Disziplin.

Es sei vielleicht nicht die gleiche Gams wie in der Abfahrt, aber für ihn eine wichtige Gams, sagte Kriechmayr. „Die Abfahrt habe einen anderen Stellenwert als der Super-G, allein von der Geschichte des Hahnenkammrennens her. Aber der Super-G ist für mich nicht unwichtiger.“ Seine Siege werten will er nicht, er freue sich über alle. „Es geht nur darum, dass man der Beste am jeweiligen Tag ist. Und das ist mir heute gelungen.“

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