Internet-Investments

LKA-Ermittler: „Die Betrüger agieren wie Fischer“

Nachdem Internet-Anlagebetrüger einem 50-jährigen Unternehmer aus dem Raum Marchtrenk – wie berichtet – 888.000 Euro abgeknöpft haben, warnt Betrugsermittler Gerald Sakoparnig (57) Chefinspektor im Landeskriminalamt OÖ, dringend davor, auf scheinbar lukrative Lockangebote in sozialen Medien einzugehen.

„Krone“: Wie kann es sein, dass sogar Menschen mit viel Geschäftserfahrung auf Internet-Betrüger hereinfallen?
Gerald Sakoparnig: Ein Problem ist, dass sich mit seriösen, risikoarmen Anlageprodukten in der Finanzwirtschaft derzeit wenig verdienen lässt. Die Zinsen sind viel zu niedrig.

„Krone“: Und dann stößt jemand im Internet plötzlich auf ein Lockangebot, das einem sehr hohe Renditen verspricht
Sakoparnig: Das lässt bei manchen leider den Verstand ausschalten, Skepsis und Misstrauen werden von Gier überlagert.

„Krone“: Wie gehen die Täter vor?
Sakoparnig: Täter agieren wie Fischer, die Köder aushängen und in Ruhe darauf warten, bis jemand anbeißt – und das passiert fast immer. Sie versprechen in Online-Inseraten die wunderbarsten Dinge, agieren dabei hochprofessionell.

„Krone“: Wie schaut das dann aus?
Sakoparnig: Sie geben sich als Börsen-Experten aus und täuschen hohe Investitionsgewinne auf einer virtuellen Plattform vor, die auch eingesehen werden können. Auf die Weise wird den Opfern eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung vorgegaukelt, mit der Folge, dass sie dann immer höhere Beträge investieren.

„Krone“: Es werden aber auch Rückschläge behauptet.
Sakoparnig: Das soll Opfer zu weiteren Einsätzen verleiten. Leider dauert es dann oft noch lang, bis wir eingeschaltet werden.

„Krone“: Nehmen solche Anlagebetrügereien eigentlich zu?
Sakoparnig: Ja, wir beobachten das seit dem 1. Lockdown. Die Menschen surfen jetzt viel im Internet. Und es gibt viele Österreicher, die Geld anlegen wollen. Im Vorjahr hatten wir rund 50 gemeldete Fälle. Allein im November wurden bei uns binnen zwei Wochen sieben Fälle mit einer Schadenssumme von 2,5 Millionen € angezeigt.

„Krone“: Wo sitzen die Drahtzieher?
Sakoparnig: Meist im Osten – in der Ukraine, Weißrussland und Estland, aber auch in China.

„Krone“: Werden die Banken der Opfer nicht hellhörig, wenn plötzlich riesige Summen überwiesen werden?
Sakoparnig: Warnungen werden häufig in den Wind geschlagen. Es gab sogar Fälle, wo Opfer ihre Bank gewechselt haben.

„Krone“: Wie hoch stehen die Chancen, einen Täter zu fassen oder auch nur das Geld wieder zurückzubekommen?
Sakoparnig: Leider sind die nur äußerst gering.

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner
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Dienstag, 02. März 2021
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