31.12.2020 17:33 |

Rund 900 obdachlos

EU drängt Bosnien: Flüchtlinge rasch unterbringen

Wegen der dramatischen Lage von Hunderten Migranten nach der Räumung des Lagers Lipa in Bosnien-Herzegowina hat die EU-Kommission an die örtlichen Behörden appelliert, den Menschen Obdach zu geben. Derzeit leben rund 900 geflüchtete Menschen in dem Land unter freiem Himmel. Die zuständigen Kantonalbehörden wehren sich aber weiterhin, die Geflüchteten vernünftig unterzubringen.

„Es ist klar, dass die praktische und unmittelbare Lösung ist, das Aufnahmezentrum in Bira wieder zu öffnen“, erklärte Innenkommissarin Ylva Johansson am Donnerstag in Brüssel. Dort gebe es Heizung, Strom, fließendes Wasser und Plätze für 1500 Menschen. Die EU habe bereits finanzielle Unterstützung gegeben und weitere zugesagt. So könne die Not der im Schnee gestrandeten Menschen gelindert werden, erklärte Johansson.

Camp nicht winterfest
Das Camp Lipa war vor einer Woche von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geräumt worden, weil die bosnischen Behörden es nicht winterfest gemacht hatten. Doch war zunächst auch kein Ersatz angeboten worden. Mehr als tausend Flüchtlinge und Migranten waren in dem unwirtlichen Gelände 25 Kilometer südöstlich von Bihac ohne Obdach geblieben.

Bihac und der Kanton Una-Sana liegen nahe der Grenze zum EU-Staat Kroatien. Viele Flüchtlinge und Migranten zieht es dorthin in der Hoffnung, in die Europäische Union zu gelangen.

Kantone nicht zur Aufnahme bereit
Die Kantonalbehörden lehnten die Aufforderung umgehend ab, meldeten bosnische Medien. Die Aufforderung der gesamtstaatlichen Regierung erfolgte, nachdem am Mittwoch ein Versuch, die Flüchtlinge in Bradina bei Konjic unterzubringen, an Protesten der lokalen Bevölkerung gescheitert war.

Sorge um humanitäre Situation
Das Sicherheitsministerium warnte unterdessen vor einer weiteren Verschlechterung der humanitären Situation. Alle zuständigen Institutionen sollten „ohne Aufschub“ Schritte unternehmen, um dies zu verhindern, hieße es in einer Aussendung.

In Bosnien-Herzegowina wurden im heurigen Jahr rund 16.000 Migranten registriert. Nur ein Bruchteil von ihnen wollte aber im Land bleiben, die allermeisten wollten weiter Richtung EU.

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