23.12.2020 15:31 |

Tausende nun obdachlos

Feuer zerstört Flüchtlingslager in Bosnien

Als wären die Szenen in den griechischen Flüchtlingslagern nicht schon schlimm genug, droht nun eine weitere humanitäre Katastrophe, diesmal in Bosnien-Herzegowina. Im Flüchtlingslager Camp Lipa ist am Mittwoch ein Feuer ausgebrochen, gigantische Rauchschwaden lagen über dem Camp. Zuvor war eine Evakuierung gestartet worden, weil das Lager geschlossen wurde. Jetzt sitzen Tausende Migranten obdachlos im bosnischen Winter.

Das Camp Lipa liegt in der Nähe der Stadt Bihac im Nordwesten von Bosnien-Herzegowina, nur wenige Kilometer von der EU-Außengrenze zu Kroatien entfernt. Schätzungen zufolge sind nun insgesamt rund 3000 geflüchtete Menschen in der Region ohne Obdach - und das bei nächtlichen Temperaturen jenseits des Gefrierpunkts, berichtet die NGO Plattform für eine menschliche Asylpolitik.

„Wir müssen es ganz klar sagen: Es ist nicht zu verhindern, dass einige nicht überleben werden, wenn 3000 Menschen draußen im Schnee übernachten müssen“, sagte auch der Leiter der bosnischen Vertretung der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Peter Van der Auweraert, gegenüber dem „Standard“.

Lager hätte evakuiert werden sollen
Zuvor hatte die IOM begonnen, das Lager zu evakuieren, weil die Zustände dort nicht mehr tragbar waren. Das Camp Lipa soll nämlich umgebaut werden, unter anderem soll es an die örtliche Strom- und Wasserleitung angeschlossen werden. Doch am Mittwoch um die Mittagszeit brach das Feuer aus.

„Sofern wir wissen, haben drei ehemalige Bewohner des Camps ihre Zelte angezündet“, schrieb Van der Auweraert auf Twitter. Er dankte der Feuerwehr für ihr rasches Eingreifen: „Ein Großteil der Infrastruktur ist allerdings zerstört.“ Menschen seien glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen.

Streit mit bosnischer Regierung um Unterbringung
Wenige Tage zuvor hatte die IOM der bosnischen Regierung klargemacht, dass das Lager winterfest gemacht werden müsse - oder man müsse den Betrieb einstellen. Nun hätten die Migranten vorübergehend in das Aufnahmezentrum in Bihac gebracht werden sollen - was allerdings wiederum zu Missstimmung bei der lokalen Bevölkerung geführt hatte.

Einige Bürger von Bihac protestierten am Dienstag gegen die ankommenden Menschen - und auch die örtliche Polizei soll die Unterstützung verweigert haben. Die Fronten könnten also kaum verhärteter sein.

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