25.12.2020 06:00 |

In Pandemie geboren

Weihnachtswünsche von zwei Jungmüttern

Emilia und Martha kamen 2020 zur Welt, in einer wegen Corona extrem schwierigen Zeit. Aber ihre beiden Mamas sind natürlich trotzdem voll des Glücks. Und haben so viele Hoffnungen für ihre Kinder.

„Natürlich, die Pandemie beunruhigt mich. Weil ich nicht weiß, wann sie vorbei sein wird. Weil ich mich davor fürchte, dass mir nahestehende Menschen schwer an Corona erkranken könnten. Aber trotz all dieser Ängste“, sagt Vicky K., „war das vergangene Jahr wunderschön. Und ich bin so glücklich wie noch nie zuvor in meinem Leben.“ Der Grund für das Glück der 27-jährigen Wienerin: ihre Tochter Emilia.

Sie und ihr Partner wünschten sich schon lange ein Kind, „aber aus gesundheitlichen Gründen, das wusste ich, würde es für mich schwierig sein, eines zu bekommen“. Umso größer dieses Wunder, diese Freude, diese Überraschung, „als wir im Jänner erfuhren, dass ich ein Baby erwarte.“

„Ich schätzte die Entschleunigung“
Covid-19 war damals noch kaum ein Thema, „ich hatte in Zeitungen über die Seuche in China gelesen, sie schien weit weg.“ Was sich bald änderte, mit den ersten Infektionsfällen in Europa. „Ich begann deshalb, intensiv im Internet zu recherchieren, welche Folgen eine Ansteckung für mich und mein Ungeborenes haben könnte.“ Und obwohl über „eher geringe Gefahren“ berichtet wurde, „bin ich über den Lockdown im März, und damit über die Möglichkeit, in Home-Office sein zu dürfen, froh gewesen“, erzählt die Angestellte.

Die dadurch entstandene Isolation, „nicht dauernd in Kontakt mit Kollegen zu sein, sondern daheim zu arbeiten, nahm Stress weg. Und auch privat fand eine Entschleunigung statt – wenn ich mich mit Freundinnen traf, dann bloß zum Spazierengehen.“ Die Verlangsamung, in so vielem, „hatte eigentlich nur positive Auswirkungen. Und gab mir die Option, mich extrem auf das Kind, das in mir wuchs, zu konzentrieren.“

Ihm zum Beispiel – wie in Babybüchern geraten – klassische Musik vorzuspielen, oft an der frischen Luft zu sein, zu schwimmen und Yoga zu betreiben. „Die Verbindung zu meinem Kind wurde von Tag zu Tag stärker, ich genoss es so sehr, wenn es sich in mir bewegte – und mir damit Zeichen gab.“ Und seinem Vater: „Abends, nach seinem Dienst, lagen wir immer zusammen auf dem Sofa, er streichelte meinen Bauch, gab darauf Bussis.“

„Wir kosten jede Stunde mit Emilia aus“
Die Kleine kam am 25. September zur Welt, die Geburt verlief ohne Komplikationen, „mein Verlobter durfte dabei sein“. Die Wochen danach: „Ein Traum – mein Partner hatte sich einen Papamonat genommen, unsere Beziehung wurde noch enger.“ Das Jetzt? „Wir kosten jede Stunde mit unserer Emilia aus.“ Dass ihre Tochter in einer vielleicht schwierigen Zeit aufwachsen muss – belastet das die jungen Eltern? „Egal, wie die äußeren Umstände sein werden – unsere Liebe zu ihr wird sie stark machen.“

Helga Pöttler aus Graz erzählt ähnliche Dinge wie Vicky K. Die 36-Jährige wurde am 10. Februar zum zweiten Mal Mutter, mit einem Mädchen – es heißt Martha. Sohn Lian ist mittlerweile dreieinhalb Jahre alt. „Die Lockdowns haben mir Wertvolles geschenkt; mich – ohne durch irgendwelche Dinge abgelenkt zu sein – beinahe ausschließlich um mein Baby und meinen Buben kümmern zu können. Aber natürlich brachte die Pandemie auch negative Effekte mit sich.“

Die Volksschullehrerin und ihr Mann, ein Kindergartenpädagoge, wohnen mit den Eltern der Frau in einem Haus: „Und so gerne hätten sie oft ihre Enkel gesehen. Doch das durften wir nicht allzu häufig riskieren, denn meine Mama ist Risikopatientin.“ Ein weiteres Problem, das die junge Steirerin belastet: „Nicht zu ahnen, wann die Pandemie zu Ende sein wird – und damit nicht zu wissen, wann meine Kinder ein normales Leben haben werden.“ Lian hat etwa schon seit Monaten nicht mit seinen Freunden gespielt, „nur über mein Handy sieht er sie manchmal“.

„Der Heilige Abend bleibt ein Familienfest“
Und selbstverständlich frage sie sich immerzu: „Welche Folgen werden die fehlenden persönlichen Kontakte zu anderen Kindern und zu Verwandten für ihn – und letztlich auch für Martha – haben?“ Umso mehr freute sich die Frau auf Weihnachten. Die ganze Familie – sie selbst, ihr Sohn, ihre Tochter, ihr Mann, ihre Eltern und die Schwiegereltern – machten kurz davor Corona-Tests: „Damit wir wenigstens diesen besonderen Tag zusammen verbringen konnten.“

Wie die kleine Emilia ihren ersten Heiligen Abend verbrachte? „Wir waren“, so Vicky F., „bei der Mutter meines Verlobten eingeladen.“ Genauso wie dessen Bruder, seine Frau - und der im November geborene Bub des Paars. Was die Kleinen geschenkt bekamen? „Spielzeug, sehr viel Spielzeug.“

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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