20.12.2020 10:00 |

Interview

Haslauer will erneut zur Wahl antreten

Landeshauptmann Wilfried Haslauer stellte sich zum Jahresende den „Krone“-Fragen zur Bewältigung der Pandemie, Fehler, die wirtschaftlichen Aussichten – und nahm Stellung zu Gerüchten über Personalien.

Sind Sie mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung zufrieden?
Im Großen und Ganzen ja. Wir haben zwischendurch Holprigkeiten gehabt, indem angekündigt wurde und dann die detaillierten gesetzlichen Vorschriften einige Tage gedauert haben. Aber im Grunde wurden vor allem die Stützungen für die Wirtschaft, Stichwort Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss etc., dann doch mutig und großzügig angegangen. Insofern ist dem zu verdanken, dass wir noch keinen wirtschaftlichen Zusammenbruch haben, sondern dass die Struktur nach wie vor steht. Ich glaube, im Frühjahr ist es ganz gut gelaufen. Womit niemand gerechnet hat, dass die von allen vorhergesehene zweite Welle so extrem sein wird.

Viele der Corona-Maßnahmen wurden wegen der mangelnden Erfahrung nach dem Prinzip „Try&Error“ eingeführt. Welche dieser Maßnahmen würden Sie nicht mehr umsetzen?
Gute Frage, ich glaube, dass das komplette Herunterfahren der Wirtschaft, so wie im März, nichts gebracht hat. Da hat man dazugelernt.

Wie schaut es mit der umstrittenen 22-Uhr-Sperrstunde in Salzburg aus?
Das ist eine hypothetische Frage. Wir wissen ja nicht, wie die Zahlen ohne die Sperrstunde gewesen wären. Ich glaube, eine Sperrstunde hat dann einen Sinn, wenn sie österreichweit verhängt ist, und in Kombination mit einem Registrierungssystem hat das gut funktioniert.

Ist die Öffnung der Skigebiete trotz harten Lockdowns sinnvoll?
Der Bund gibt hier die Rahmenbedingungen vor und die Länder können zudem zusätzliche Maßnahmen treffen. Wir wollen den Salzburgern die Möglichkeit eröffnen, in die Berge zu kommen und Skifahren zu gehen. Es gibt einen enormen Bewegungsdrang, gerade jetzt in der Urlaubs- und Ferienzeit.

Ist das Freitesten mit einem quasi Testzwang in ihrem Sinn? Bei den Impfungen könnte das gleiche passieren.
Die Möglichkeit der Freitestung mit einem negativen Testergebnis halte ich für sinnvoll, wir rechnen daher auch mit einer stärkeren Teilnahme. Meine Haltung zur Frage der Impfung ist klar, persönlich bin ich gegen eine Impfpflicht.

Wie schätzen Sie die momentane wirtschaftliche Situation ein?
Die ist sicher schwierig, vor allem für die Tourismusbetriebe. Wir müssen jetzt einfach über den Winter kommen. Wir können auch überhaupt nicht sagen, wie es in den nächsten Monaten weitergeht.

Wie wollen Sie der heimischen Wirtschaft wieder auf die Beine helfen?
Das geht nur mit Aufträgen. Ich bin kein Freund einer flächendeckenden Wirtschaftsförderung, in der man Geld einfach zur Verfügung stellt. Das macht der Bund, dass die Betriebe überleben können. Wir schauen, dass es Aufträge gibt, dass die Firmen Beschäftigte brauchen, dass sie an den Investitionen teilhaben können und wir dadurch gleichzeitig die Infrastruktur verbessern.

Muss sich der Tourismus mehr in Richtung Inlandsgäste orientieren?
Ja, das tun wir. Wir haben eine Inländerquote von 25 Prozent. Nur mit dem österreichischen Markt alleine ist der Wintertourismus in dieser Größe aber nicht überlebensfähig.

Man weiß nicht, wie es mit den ausländischen Märkten in den nächsten ein, zwei Jahren ausschauen wird.
Das weiß man nie, das haben wir aus dieser Pandemie gelernt.

Wie wollen Sie trotzdem dagegensteuern?
Ich glaube, dass wir mit Hygienekonzepten und einer guten Testinfrastruktur schon Sicherheit bieten können. Wir werden im nächsten Jahr mit einer Kombination von Maßnahmen leben. Testungen, Impfungen, Abstand halten, Hygiene. Und flexibel, je nach Inzidenzzahlen, ganze Ortschaften durchtesten.

Salzburg ist sehr Tourismus-abhängig, ist es nicht an der Zeit, weitere Felder zu erschließen und für junge Unternehmen als Standort attraktiver zu werden?
Das Land hat unterschiedliche Strukturen. Südlich des Pass Lueg sind wir sehr Tourismus-intensiv, im Norden weniger. In der Stadt Salzburg ist der auch wichtig, aber weniger, als die optische Erscheinung vermuten lässt. Gerade der Zentralraum gehört wirtschaftlich zu den attraktivsten und aktivsten Regionen Europas. Ich glaube, dass wir derzeit intensiv in den Bereichen Wissenschaft und Forschung und Unternehmungsgründungen hineingehen. Das entwickelt sich auch gut, mit Start-Ups in den verschiedensten Bereichen.

Wann rechnen sie generell mit einer Entspannung?
Ich denke, dass die Wirtschaft relativ schnell durchstarten wird. Das hängt aber auch von den anderen Ländern in Europa ab, zum Beispiel, ob Deutschland sich gut erfängt. Meine Sorge ist, ob das Arbeitskräfte-Angebot dann ausreichend ist.

Es gibt derzeit viele Gerüchte. Eines: Ministerin Karoline Edtstadler wird noch vor der nächsten Wahl Salzburgs Landeshauptfrau sein.
Das wurde mir auch zugetragen und ich freu mich, dass solche Themen für Karoline gehandelt werden. Ich persönlich habe aber vor, noch einmal zur Wahl anzutreten.

Ein weiteres: GROHAG-Chef Johannes Hörl wird bald Landesrat sein.
Ich habe keine Regierungsumbildung vor.

Felix Roittner
Felix Roittner
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